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Sarah Maria Schlesinger

Die 7 wichtigsten Trends & die Digitalisierung im Immobilienbereich als besondere Chance für Shoppingcenter

By Booster Inside No Comments

 

Shoppingcenter haben besonders großes Potential von der Digitalisierung der Immobilienbranche zu profitieren. Sie vereinen alle wichtigen Asset Klassen von Handel und Gastronomie über Office, Parken, Logistik bis Residential & Co. Der Lebenszyklus von der Projektentwicklung & Finanzierung über Planung, Bauen bis zur Betreibung, laufenden Vermarktung und dem Refurbishment von Retailimmobilien dreht sich durch hohe Besucherfrequenzen oder die enge Verbindung zum stark Trends unterworfenen Handel schneller und intensiver. Gleichzeitig ist der Druck auf diese Assetklasse besonders hoch, da spätestens jetzt auch dem letzten Investor und Finanzierer klar geworden ist, dass die vorliegenden 10-Jahres-Wachstumspläne so nicht mehr funktionieren. Property Technology Lösungen bieten somit immense Potentiale zur Effizienz- und Renditesteigerung für Shoppingcenter.

 

Der Druck auf Shoppingcenter steigt

Den Druck spüren insbesondere Asset Manager, die von Investoren die rote oder dunkelorange Ampel für Asset Deals gezeigt bekommen, wie Steffen Hofmann von iMallInvest bei der REBOOT, der Zukunftskonferenz des GCSC Ende Januar 2020 berichtet. Keine Überraschung für branchenfremde Finanzexperten, dass diese Anlagemöglichkeit derzeit keine große Beliebtheit bei Investoren hat. Die Warnungen sind schon lange im Raum. Doch bisher scheinen sie an der stagnierenden Rendite-Wachstums-Kurve abzuprallen.

Da hilft auch nicht der Austausch der Vermietungstruppe, um einfach nur neue oder bessere Mietverträge zu verhandeln. Oder die Entdeckung einer neuen Mall- oder Werbefläche zur Erwirtschaftung zusätzlicher Einnahmen. Flächennutzungs- und Betreibungskonzepte müssen

zukunftsorientiert und ganzheitlich neu gedacht werden. Es gilt aktiv Lebensräume der Zukunft zu gestalten. Und die anfänglichen Aufwände der Digitalisierung müssen endlich auch in dieser Assetklasse angegangen werden, um die riesigen Chancen zu nutzen.

Die Erkenntnis, dass PropTech für Profit steht, ist in den Köpfen der ShoppingcenterVertreter noch nicht angekommen. Auf die Frage nach ihren dringendsten Bedürfnissen äußern diese lediglich den Wunsch nach neuen Mietern. Oder resümieren, dass alle Infos zu neuen Technologien und Zukunftsvisionen „eh schon bekannt waren“. Obwohl sich die wenigsten damit bisher grundsätzlich beschäftigen. Nachhaltige Materialien oder Bauweisen, die Einführung und konsequente Anwendung von BIM – Building Information Modelling in Planung und Betrieb, die Chancen von Digital Backbones oder lediglich effizientere technologische Vermarktungsmöglichkeiten sind bisher rar.

 

 

Nutzung & Immobilie stehen vor dem digitalen Wandel

Die Art wie wir einkaufen hat sich zweifelsohne in den letzten Jahren erheblich verändert. Der Einfluss von E-Commerce und Online Handel hat den Konsum auf viele Weisen vereinfacht. Und die Kundenbedürfnisse und -anforderungen beeinflusst. Für den Konsumenten ist dies zweifelsohne an vielen Stellen von großem Vorteil. Doch der stationäre Einzelhandel, der in der Ära vor Amazon Prime, Zalando & Co. den Markt dominierte, wird vor neue Herausforderungen gestellt. Vor allem Shoppingcenter, die sich lange fast komplett auf die Attraktivität des stationären Einzelhandels verlassen haben, stehen an einem Wendepunkt in ihrer Entwicklung. Manche auch am Abgrund ob fehlender Zukunftsperspektive und Renditeaussicht. Um auch in Zukunft noch profitabel zu bleiben, müssen diese stationären Marktplätze schnell eine Veränderung durchlaufen, die das bisherige Verständnis von Shoppingcentern komplett auf den Kopf stellen wird. Dies betrifft selbstverständlich alle Akteure rund um das Thema Shoppingcenter vom Mieter bis hin zum Shoppingcenter-Manager und Eigentümer. Die Digitalisierung und vor allem PropTechUnternehmen habe in den 2010ern einen Aufstieg erlebt und bei der Transformation von

Prozessen und Produkten der Immobilienwirtschaft Erfolge erzielen. Die Produkte der Immobilienwirtschaft, die eigentlichen Gebäude, werden nicht nur durch Prozesse bei Planung, Bau oder Betrieb transformiert, sondern müssen auch auf neue Anforderungen der Nutzer reagieren. Bei Shoppingcentern steht neben der die Nutzung auch die Immobilie an sich vor einem digitalen Wandel.

 

Die 7 wichtigsten Trends für Shoppingcenter

Es stellt sich somit die Frage, wie diese Assetklasse zukunftsfähig entwickelt werden könnte. Dazu gilt es beide Dimensionen bei der strategischen Ausrichtung sinnvoll und kombiniert weiterzuentwickeln.

  1. Shoppingcenter als stationäre Marktplätze: Veränderte Flächennutzungskonzepte & neues Rollenverständnis
  2.  Shoppingcenter als Immobilie: Intelligentes, nachhaltiges und wirtschaftliches Planen, Bauen & Betreiben

Der Handel als größter Friedensstifter in der Menschheitsgeschichte braucht auch im Zeitalter von Globalisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit funktionierende Marktplätze. OnlinePlattformen bieten Vorteile, doch physische Anknüpfungspunkte und direkte menschliche Interaktion erfüllen Bedürfnisse, die das Netz nicht erfüllen kann. Shoppingcenter als stationäre Marktplätze bieten neu gedacht und die sich verändernden Ansprüche der Nutzer in den Fokus nehmend eine Chance zur Transformation. Dies bedingt grundlegend veränderte Flächennutzungskonzepte und ein neues Rollenverständnis von Shoppingcentern.

Die zweite Dimension bezieht sich auf das Gebäude aus Stein, Glas und vielerlei Baumaterialien sowie seine Infrastruktur aus Leitungen, Rohren und Vernetzung. Ob ihrer schieren Komplexität bietet Digitalisierung allen Abteilungen und in allen Lebensabschnittsphasen von Shoppingcentern gewaltiges Potential heutige Ineffizienzen und Geldverbrennung ins Positive zu verwandeln.

Ob Generation X, Y oder Z, ob Kleinkind oder Silversurfer – Shoppingcenter mit ihrer breiten Zielgruppe unterliegen Megatrends vielleicht noch mehr als andere Assetarten. Aus diesem Grund spielen alle Formen von Megatrends gleichzeitig bei der Entwicklung von Shoppingcentern eine Rolle, von Nachhaltigkeit bis Individualisierung. PropTech kann hierbei ein Schlüssel sein, der die Assetklasse Shoppingcenter in Zeiten des Wandels zukunftsfähig machen kann. blackprint Booster hat hierzu sieben Trends identifiziert, die den Weg in eine digitalere Zukunft für Shoppingcenter ebnen können.

 

TREND 1: Neue Flächenanforderungen und Nutzungskonzepte

Für die Zukunft der Shoppingcenter werden als Folge des Online-Handels Umsatzschwierigkeiten bei stationären Einzelhändlern und steigende Leerstände prognostiziert. Bei letzterem können sowohl Ladenschließungen als auch veränderte Ladenkonzepte von bestehenden Einzelhändlern eine Rolle spielen. So gab MediaMarktSaturn erst kürzlich bekannt, die durchschnittliche Größe ihrer Filialen in Europa

von 2.600m² auf 1.800m² zu reduzieren. Um auf geänderte Nutzeranforderungen an die Immobilie Shoppingcenter zu reagieren sind variablere, flexiblere Flächenaufteilungen und Nutzungskonzepte notwendig. Einzelhandelsflächen müssen so gestaltet bzw. konzipiert werden, dass die über den ganzen Lebenszyklus eines Centers hinweg flexibel nutzbar sind und somit attraktiv bleiben. Dies bezweckt, dass Shoppingcenter nicht nur als Zentrum für Einzelhandel gesehen werden, sondern auch andere Nutzungen integrieren lässt.

Während schon immer Gastronomie und Entertainmentangebote wie bspw. Kinos integriert wurden, eröffnet eine neue Flächenkonzeption auch Möglichkeiten für andere Nutzungsformen. Diese sind klassisch schon bekannt bspw. Fitnessstudios, Wellness, Arztpraxen oder spezielle Lebensmittelhändler. Auch Veranstaltungsflächen und Pop-Up Stores sind trotz schwierig zu rechnender Rendite mittlerweile weiter verbreitet. Eine flexiblere Flächengestaltung, insbesondere auch baulich bietet Möglichkeiten auf gesellschaftliche & technologische Veränderungen in der Zukunft zu reagieren. So sollte bei einem neuen Trend in der Gastronomie, wie vor einigen Jahren Gourmet-Burger-Restaurants oder erst kürzlich Poké Bowls, die Möglichkeit geboten sein auch diese in das Gastronomiekonzept eines Shoppingcenters zu integrieren. Und im Zweifel am Ende des Hypes auch wieder problemlos zu entfernen. Der Ärger 10 Jahres Mietverträge mit BubbleTea-Anbietern sollten Lehre genug gewesen sein. Gleichzeitig muss ein Shoppingcenter zulassen, dass Nutzungen, die erst in den vergangenen Jahren entstanden sind, wie bspw. CoWorking, integriert werden können. Dies gilt auch für zukünftige neue Nutzungskonzepte, die sich über den Lebenszyklus des Centers entwickeln werden. Baulich und genehmigungstechnisch flexiblere Flächenkonzepte lassen – bei unbedingt notwendiger Nutzerfokussierung eine flexible Anpassung an sich stetig verändernde Kundenbedürfnisse zu. Mit Flexibilität ist auch die temporäre Vermietung gemeint, wie  Pop-Up Stores oder Veranstaltungen. Das bedingt auch ein Umdenken und Anders-Berechnen von RenditeErwartungen. Schöne Jahrzehnt-Verträge mit 5-Jahres-Verlängerungen werden nicht die Basis zukünftiger Wert-Kalkulationen sein können. Vor allem das heute von den meisten Betreibern noch mit Grauen betrachtete Potential von Veranstaltungen im Center sollte konzeptionell flexibel & zeitgemäß gestaltet werden. Immerhin bieten weiter hohe Malls einmalige Chancen in puncto Akkustik oder auch für E-Sports-Contests wie die im asiatischen Raum bereits weit verbreiteten Drohnen-Rennen.

Mit einer konsequenten Neuausrichtung in puncto Konzept lässt sich ein Shoppingcenter auch argumentativ, politisch und insbesondere nachhaltig sinnvoll in einem städtebaulichen MixedUse-Konzept wie einer Quartiersentwicklung integrieren. Wenn der Nutzer statt die RenditeBerechnung in den Vordergrund rückt, erledigen sich einige der heutigen steten Probleme bei Projektentwicklung und Standortveraltung. Was extern Vorteile bietet zahlt auf mittlere Frist auch auf die Bedürfnisse aller internen Parteien, vom Mieter, bis zum Betreiber und erst recht die Eigentümerbedürfnisse ein. Die Immobilie Shopping Center kann in Kombination mit anderen Nutzungen auch nicht mehr nur als Zentrum für Einzelhandel gesehen werden, sondern nimmt mit einer großen Bandbreite an Nutzungen und Angeboten auch die Rolle eines Nahversorgungszentrums ein. Shopping Center in Kombination mit Residential oder Office in einer Quartiersentwicklung bietet für neue Nutzergruppen neue Attraktivität. Dies wird bspw. im Stadtentwicklungsprojekt CityLife in Mailand, Italien, oder in REDI in Helsinki, Finnland, umgesetzt. Es wird deutlich, dass das Thema Shopping Center neue Dimensionen annimmt, wenn es sich von der traditionellen Form eines Zentrums für stationären Einzelhandel verabschiedet und zu einer Plattform für Menschen wird.

 

TREND 2: New Mobility

Mobilität verändert sich. Menschen kaufen keine Autos mehr. Sie suchen Lösungen, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Neue Geschäftsmodelle wie E-Scooter erleben ihren Aufstieg und bereits eine erste Marktkonsolidierung der Rolleranbieter unter den Betreibern, deren primäres Ziel es ist so viel wie möglich über die Bewegungsprofile von Menschen zu lernen – um sinnvoll Zukunft zu gestalten. Während manch ein DAX-Konzernlenker bei BMW den eingeschlagenen Zukunftskurs und die absolut sinnvolle Kooperation mit Mercedes angesichts der „Bedrohung“ durch neue Marktteilnehmer von außen über Bord wirft, und lieber wieder Automobilhersteller statt Mobilitätsanbieter wird weil Digitalisierung nun mal zunächst kostet, haben andere erkannt, dass es keinen Weg zurück gibt. Die Brandrede des VW-Chef Diess war nicht nur überfällig, sondern hätte inhaltlich von den meisten deutschen Unternehmen und deren Produkten handeln können. Neben Mobilität von Menschen umfasst New Mobility auch das Thema Logistik, welches auf unseren Verkehrswegen einen immer größeren Teil der Probleme ausmachen. Während LieferwagenStrafzettel für Zustelldienste von Online-Anbietern in manchen Städten bereits zur neuen Einnahmequelle werden und andere Anbieter wetteifern, ob die Lösung dieser steigenden Herausforderung in immer dichteren und wachsenden Ballungsgebieten über unterirdische Tunnel oder in der Luft per Drohne gelöst werden wird, müssen Shoppingcenter-Entwickler ob der langen Vorlaufzeiten heute entscheiden, wie sie konzeptionell auf E-Autos, Roller & Co. sowie auf die Challanges von Logistik eingehen. Neue Mobilitäts- und Transportkonzepte stellen das Thema Anfahrt & Erreichbarkeit von Shoppingcentern immer wieder in Frage. Die Shoppingcenter „auf der grünen Wiese“ haben zwangsläufig Parkplätze und große Parkhäuser integriert, um die Frage nach der Erreichbarkeit zu beantworten. Innerstädtische Shoppingcenter können meist durch gute ÖPNV-Erreichbarkeit und andere Parkhäuser in der Nähe ausreichend profitieren. Doch nichtsdestotrotz stellt sich für eine Vielzahl der Bestandsbauten die Frage nach der Reaktion auf neue Trends im Bereich Mobility. Auch wenn Ordnung in den E-Scooter-Markt kommen wird, gehen diese nicht mehr weg. Drohnen kommen so sicher wie das Amen in der Kirche. Car-Sharing-, Bike-Sharing oder auch schon Lasten-Fahrrad-Sharing-Modelle werden an diversen Standorten genutzt. OnlineFahrtenvermittler wie Uber befördern heute Menschen. Möglicherweise demnächst auch Einkäufe. Diese innovativen Geschäftsmodelle sind Teil der New Mobility und müssen in Shoppingcenter-Konzepten mitgedacht und bestmöglich integriert werden können. aber genauso technologische Fortschritte. Ladestationen für E-Autos sind in einigen Parkhäusern von Shopping Center schon zu finden, doch zeigt der Blick in die Zukunft Wasserstoffautos & Co. auftauchen, die ebenfalls integriert werden müssen. Hier ist eine ständige Analyse und Entwicklung von Prognosen notwendig, aber auch eine geeignete Antizipation des Eintrittszeitpunktes eines neuen Trends oder Entwicklung. Auch hier wird Flexibilität und die Anpassung auf neue technologische Anforderungen notwendig werden. Wer auch zukünftig die Frequenzen sichern will, ist gezwungen sinnvolle Antworten zu geben, wie Besucher und Waren ins Center und von dort wieder weg kommen.

 

TREND 3: Vernetzung zwischen Online & Offline

Während der stationäre „Offline“-Einzelhandel ohne Frage vom Online-Handel bedroht wird, sind diese nicht parallel laufend mit einer Entscheidung „entweder/oder“ zu sehen, sondern können konzeptionell sinnvoll zusammengeführt werden. Omni-Channel und Vernetzung sind Schlagworte mit Renditepotential. Das Läden immer mehr zum Showroom mutieren und dem Erlebnis des direkten Anfassens, Riechens dienen bzw. zur Brand-Experience und dem Story

Telling ist gedanklich nicht neu. Design & Gestaltung, aber auch Produktauswahl im Laden, können allesamt zur Attraktivität des Ladens und infolgedessen auch des Unternehmens und der Marke beitragen. Nur an der Umsetzung hapert es. Denn wenn der Umsatz nicht mehr der Fläche zugeordnet werden kann – oder soll – wird es nicht nur schwierig sondern unmöglich mit althergebrachten Rechenmodellen Rendite zu erwirtschaften. Frequenz-Messsysteme können dabei genauere Auskunft über Besucher liefern und damit Frequenzpotentiale heben. Konzepte wie Click & Collect, das Kaufen eines Produktes Online und die Abholung „offline“ im stationären Einzelhandel oder auch Digital Malls bedürfen neuer Miet- und Abrechnungsmodelle. Sie sind aber gleichzeitig Möglichkeiten, wie online und offline miteinander interagieren können. Die vom German Council ausgezeichneten Preisträger des Europäischen Handelspreises Innovation sind dafür hervorragende Beispiele. Dies wird auch dadurch belegt, dass viele E-Commerce Unternehmen wie Zalando oder Amazon konsequent eigene Outlets oder Pop-Up Stores im stationären Einzelhandel schaffen – und damit die direkte Echt-Verbindung zu den Menschen. Dies ist die Stärke von Shoppingcentern seit jeher.

 

TREND 4: Neue Mietmodelle

Die veränderte Funktion der Verkaufsfläche in eine Ausstellungsfläche durch den OnlineHandel bedeutet im Umkehrschluss auch, dass der Umsatz im stationären Einzelhandel nicht mehr auf Umsatz pro m² heruntergerechnet werden kann. Durch einen Laden bzw. eine Präsenz im Shopping Center wird auch viel Umsatz online gemacht, was allerdings nicht zu messen ist. Hier kommen die konträren Interessen von Eigentümern und Mietern zum Tragen. Die einen berechnen heute ihre Rendite auf Grundlage von Fix- und Umsatzmieten, die idealerewise steigen und turnusmäßig in höhere, besser zu berechnende Fixmieten gewandelt werden. Dieses Modell hat keine Zukunft, denn durch Webshops, Online-Marktplätze und auch die Pflicht zum Aufbringen hoher Mieten sorgen für eine Verlagerung des Umsatzes aus der Barkasse des Shops in den Online-Kanal. Angesichts zu zahlender Umsatzmieten haben die Shopbesitzer kein Interesse daran, den Web-Umsatz der Fläche zuzuordnen. Eine größere Fläche bedeutet nicht direkt mehr Umsatz, wie der Elektrofachmarkt MediaMarktSaturn auch erkannt hat. Das traditionelle Mietmodell von €/m² ist nicht mehr zeitgemäß. Durch Digitalisierung entstehen neue Modelle des Mietens, auf Zeit oder dauerhaft, mit flexibler Flächengröße, aber auch Frequenzen können Grundlage neuer Mietkonzeptionen werden Neue Event & Veranstaltungsformate sorgen zudem dafür, dass hier auch weitere Einnahmequellen durch flexiblere Mieten für einen Betreiber entstehen. Das klingt nicht nur nach Aufwand. Das wird es auch. Die Zeit der klassischen Betreibung, Handzettel und Checklisten funktioniert dann nicht mehr. Der Managementaufwand wird mit heutigen Strukturen nicht möglich bleiben. Doch in der Welle von PropTechs ist die Anzahl von neuen Lösungen für die Betreibung wie beispielsweise Mieter-Apps oder Verwaltungslösungen im Wohn- und Bürobereich bereits hoch und erfolgreich im Einsatz. Vereinzelt werden auch Lösungen für komplexe Handelsimmobilien bereits angeboten. Digitalisierung eröffnet hier somit einerseits neue Türen und kann gleichzeitig entstehende Probleme beseitigen.

 

TREND 5: Last-Mile-Logistics als Chance

Die Digitalisierung in unserem Lebens- und Arbeitsalltag stellt auch Anforderungen an die Logistik, vor allem vor dem Hintergrund des viel diskutierten „Last-Mile-Problems“.

Shoppingcenter können ob ihrer Lagen, Strukturen und Flächenangebote als FulfillmentCenter oder auch Drehkreuz dienen. Und so Antwort auf diese Herausforderung geben. Die Integration von Verteilungs- und Abholcentern, sowie Paketstationen in Shopping Centern kann einen Beitrag zum komplexen Sachverhalt der „Last-Mile“ in der City Logistik leisten. Drohnenlandeplätze auf den Dächern oder Lastenfahrrad-Kurrierdienst-Logistik bleiben nicht nur Vision. Vor allem in der Funktion des Shoppingcenters als Nahversorgungszentrum mit einem hohen Durchlauf an verschiedenen Kundengruppen kann das ein entscheidender Impuls sein. Der Flächenüberschuss in Shopping Centern stellt aufgrund veränderter Nutzungskonzepte als aktuelle Herausforderung eine genehmigungstechnisch relativ einfach zu gebende Antwort auf die Waren-Beförderung-Problematik auf der letzten Meile dar. Diese Challange bietet neue Möglichkeiten für die Zukunftskonzeption, aber auch für Renditen in Shoppingcentern.

 

TREND 6: GreenTech & Nachhaltigkeit

Der Megatrend Nachhaltigkeit ist spätestens seit vergangenem Jahr ein globales Thema geworden. Der Greta-Moment ist Realität. Und was vorher verbreitet zumeist als Buzzword in Unternehmensdarstellungen zur optimalen Außendarstellung genutzt wurde, ist zum alle Lebensbereiche beherrschenden und verändernden Thema geworden. Der Wunsch nach mehr Ökologie, gesunden Entscheidungen und intelligentem Umgang mit Ressourcen spiegelt sich in vielen Bereichen des menschlichen Lebens wider. Dadurch, dass Shopping Center eine so zentrale Rolle für verschiedene Nutzungsgruppen spielen und gleichzeitig ohnehin im Fokus der Öffentlichkeit – und häufig auch der Kritik stehen, sind die Ansprüche an Shoppingcenter besonders hoch. Während Einzelhändler und Gastronomie um Bambusstrohhalme, Pappbecher und Plastiktüten-Verzicht nicht mehr rumkommen sollten, haben Betreiber ebenfalls eine Verpflichtung nachhaltiger zu werden. Das Potential von PropTech Lösungen ist dabei nicht nur immens. Es ist ob der schieren Datenmenge, die selbst ein veraltetes Building Management System pro Minute mit weit über 100.000 Datenpunkten liefert, mit heutigem humanen Einsatz gar nicht möglich, wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll eine Handelsimmobilie zu betreiben. Der room for improvement ist hier besonders hoch. Schon bei Planung, Design und Bau (bzw. Umbau) eines Gebäudes können nachhaltige Baumaterialen verwendet werden, um eine optimiertes Immobilie zu entwickeln. Datensätze spielen in jeder Lebensphase hier entscheidende Rollen. Rund um Planung, Bau & Betreibung des Gebäudes sollten Beteiligte und damit insbesondere auch Fakten und Ddaten, die auf eine Vielzahl von Arten gesammelt werden können, in Entscheidungen mit einbezogen werden. Das Themenfeld BIM Building Information Modelling wird dabei – endlich konsequent und ohne alberne Gegenwehr eingesetzt- einerseits für erheblich weniger Fehler in der Planung und maximale Effizienzsteigerung auf der Baustelle sorgen, sondern eben in sechster und siebter Dimension von BIM auch zu einer Senkung der Betriebskosten, geringere Verbräuche, zur Fehlervermeidung und dem besseren Einsatz von Ressourcen. BIM als Geheimzutat im Shoppingcenter ermöglicht erstmals Nachhaltigkeit als Rendite in der Bilanz auszuweisen. Darüberhinaus sind Datenbasierte Entscheidungen für alle Gebäudeformen die Zukunft. Erzwungenermaßen leider wieder von außen, da die Immobilienbranche den Handlungsdruck mal wieder selbst nicht sieht. EU-Vorgaben einerseits, viel wichtiger zeigen Blicke in andere europäische Märkte klare Abzüge im Kaufpreis von bis zu schwindelerregenden 10% bei fehlender BIM-Dokumentation, dass selbst bei Bestandsgebäuden der Einsatz von BIM und GreenTech unerlässlich ist. Vor allem für Shopping Center mit verschiedenen Flächengrößen und -Dimensionen ist ein datenbasiertes Vorgehen über den gesamten Lebenszyklus überlebensnotwendig und absolut richtig.

 

TREND 7: Datenanalyse zum Standortmarketing

Neben der Sammlung von Gebäudedaten aus Immobilienperspektive können Daten auch von Einzelhändler genutzt werden, um das Einkaufserlebnis eines Kunden noch besser zu gestalten. Ob in Form von Location-based Services durch Apps oder durch Analyse von Online-Kaufverhalten oder Flächen-Einkaufsverhalten und Kundeninteressen – generierte Daten können für Einzelhändler unheimlich wertvoll sein. Hierzu zählen sowohl sozioökonomische und psychographische Daten als auch Transaktionsdaten. Diese können von Einzelhändlern viel besser ausgenutzt werden als bisher, was durch Digitalisierung ermöglicht werden kann. Betreiber können hier Informationslieferant werden – und damit gleichzeitig neue Wege zur Monetarisierung erschließen. Ein empfindliches Thema für viele in Deutschland, dass zuletzt häufig durch die Diskussion, wem die Daten gehören, abgetan wurde. Fakt ist, Daten werden ständig generiert, beispielsweise über Mobilfunknutzung, Triangulation von GPS-Signalen oder Sensoren verschiedenster Art von Frequenzmessern bis Luftqualitäts-, Temperatur- oder Schafstoffchecks. Datenanalysen können zielgruppengerechtere oder sogar persönlich ausgespielte Produktempfehlungen liefern. Angebote und Aktionen in den Handelsflächen, doch auch kurzfristige Flächenvermietungsangebote können strategisch gezielter platziert werden. Die verbesserte User Experience sorgt im Standortmarketing zu höherer Kundenbindung, damit zur Wertsteigerung der Immobilie und insgesamt zu Vorteilen für Mieter, Manager und Eigentümer.

 

Die Entwicklung von Shoppingcentern wird nicht ihren seit Jahrzehnten gelernten Gang weitergehen. Es macht bei der Immobilien-Assetklasse Shoppingcenter überfällig Sinn, Digitalisierung nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als Chance für alle Beteiligten zu sehen. Bei konsequenter Nutzerfokussierung zu jeder Zeit in Entwicklung, Bau und Betrieb und dem intelligenten Einsatz von Technologie und neuen Geschäftsmodellen profitieren Besucher, Mieter, Manager und Eigentümer von Handelsimmobilien. Digitalisierung bietet eine Chance zur neuen Profitablität von Shoppingcentern. Vor allem PropTechs können dazu einen großen Beitrag leisten.

 

Sean Nolan & Sarah Schlesinger

 

blackprint Booster sind Experten für die Digitalisierung im Immobilienbereich. Für alle Asset Klassen. Für den gesamten Immobilienlebenszyklus. Die Autoren haben beide langjährigen Bezug bzw. Erfahrungen mit dem Shoppingcenter-Bereich.

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Alexander Ubach-Utermöhl                      Sarah Maria Schlesinger

Managing Director                                      Managing Director

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Der Aufstieg von PropTech in der Stadt der Zukunft

By Booster Inside No Comments

Ausblick 2030: Die Digitalisierung verändert auch Innenstädte und Handel

Der digitale Wandel stellt Immobilienwirtschaft und Handel vor bislang unbekannte Herausforderungen. Doch Transformation ist kein Ziel, sondern Technologie ein Mittel für die Steigerung von Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Nutzerfokussierung. Sie bietet all denen riesige Chancen, die sich konsequent und step by step ausrichten. Dafür muss die Branche aber zunächst das Tal der Tränen überwinden, in dem sie gerade steckt.

Ob Wohnen, Arbeiten, Einkaufen oder Freizeitgestaltung: Immobilien bilden die (Gebäude-)Hülle, in der unser tägliches Leben stattfindet. Stadtentwickler und -planer, Innenstadtakteure und insbesondere auch Handelsvertreter müssen heute entscheiden, wie die Städte der Zukunft aussehen sollen. Dabei stehen sie vor einigen Herausforderungen: Neue Mobilitäts- und Logistikanforderungen verändern die Planung in puncto Parken, Warenannahme und Lagerung. Wohnen und Arbeiten verlangen auch räumlich Flexibilität. Der Ruf nach mehr Nachhaltigkeit fordert neue Materialien und Bauweisen. Und insbesondere Building Information Modelling (BIM) wird Prozesse, alte Silos und Effizienzkiller im gesamten Immobilienlebenszyklus disruptieren. Der Aufstieg von über 700 PropTechs in der D-A-CH-Region seit 2015 hat bereits massive Veränderungen getriggert. Noch sind komplett innovativ geplante Stadtteile wie Torontos Side Walk Labs oder ganzheitliche Quartiersentwicklungen wie Mailands CityLife oder Helsinkis REDI Ausnahmen. Doch sie werden zur Regel. PropTech bedeutet zwar zunächst Aufwand. Langfristig aber werden sich die damit einhergehende Effizienz und Wirtschaftlichkeit durchsetzen.

 

Digitalisierung bedingt Dranbleiben

Es führt kein Weg dran vorbei: Alles wird sich durch neue Technologien grundlegend verändern. Die Immobilienbranche und hier insbesondere auch Handel und Gastronomie müssen sich deshalb jetzt intensiv mit diesem Paradigmenwechsel auseinandersetzen – strategisch und operativ. Der Zeitpunkt ist günstig. Fakt ist: Der anfängliche Digitalisierungs-Hype ist vorüber. Wie in jeder Branche führte das Aufkommen neuer digitaler Lösungen zunächst zur überzogenen Erwartung, PropTech könne alle Probleme wegzaubern und gleichzeitig kurzfristig neue Ertragsmöglichkeiten generieren. Was folgte, war das so genannte „Tal der Tränen“. Denn schnell mussten die Early Adopter feststellen, dass Transformation nicht von heute auf morgen geschieht und dass sie vor allem zweierlei bedeutet: einen oft nicht unerheblichen (Anfangs-) Aufwand –  insbesondere, was den internen Change-Prozess bei Menschen und Systemen angeht – und wichtiger noch: notwendigerweise langfristiges Dranbleiben.

Genau das ist in Hinblick auf die Transformation der Knackpunkt,Der Reifegrad der Branchendigitalisierung ist jetzt an einem Punkt, an dem Konsequenz und Durchhaltevermögen bei der schrittweisen Zukunftsausrichtung in den Unternehmen belohnt werden.

Die Stadt der Zukunft und die Menschen profitieren

Und so wird das neue Jahrzehnt goldene Zeiten bringen. Aus einigen der heute frühphasigen Startups mit Immobilienbezug werden im Laufe der Zeit neue einflussreiche Branchen-Unternehmen. Gleichzeitig steht eine Marktkonsolidierung an. Die ist gut und gesund, denn die Stadt der Zukunft und die darin lebenden Menschen profitieren davon, wenn Prozesse durch kluge, ganzheitliche Lösungen schneller, einfacher, günstiger – kurz: effizienter werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Digitalisierung nicht Ziel, sondern ein Mittel für gesteigerte Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und die zukünftig so essenzielle Nutzerfokussierung ist.

Insbesondere Shoppingcenterentwickler und -betreiber haben riesige Chancen, von PropTech zu profitieren. Denn Center vereinen alle wichtigen Assetklassen von Handel und Gastronomie über Office, Parken, Logistik bis hin zum Wohnen. Der Lebenszyklus weist durch hohe Besucherfrequenzen und die enge Verbindung zum trendgetriebenen Handel eine vergleichsweise hohe Dynamik auf. Um auch in Zukunft profitabel zu bleiben, müssen Handelsimmobilien deshalb eine Veränderung durchlaufen, die das bisherige Rollenverständnis, tradierte Flächennutzungskonzepte insbesondere aber auch Renditeermittlungsgrundlagen komplett auf den Kopf stellen. Für Betrieb und Nutzung von dieser Immobilien bieten PropTech-Lösungen immense Potenziale zur Effizienz- und Renditesteigerung – diese sollten unbedingt genutzt werden.

 

Sarah Schlesinger ist COO des blackprint Boosters. In dieser Rolle vernetzt sie gezielt etablierte Immobilienunternehmen, PropTechs und Wagniskapitalgeber miteinander und treibt digitale Geschäftsmodelle voran. Vor ihrer Zeit beim blackprint Booster gründete und führte sie vier Jahre lang ein eigenes PropTech und arbeitete sechs Jahre für einen internationalen Shoppingcenter-Betreiber. 2019 wurde Sarah Schlesinger mit dem Deutschen Exzellenz-Preis in der Kategorie „Manager & Macher“ ausgezeichnet. Das Branchenmagazin Immobilienmanager wählte sie zudem unter die top 25 Frauen der Immobilienwirtschaft.

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Plötzlich ist Druck da – Branchenstimmen zu Corona und den Auswirkungen auf die Immobilienbranche

By Booster Inside No Comments

Die unerwartete, durch Corona ausgelöste Krise führt offenbar in vielen Immobilienunternehmen zu verändertem Handeln. Plötzlich ist Druck da, auf Kosten zu achten, Prozesse effizienter zu machen, auch unabhängiger vom plötzlich doch als Ausfallfaktor wahrgenommenem „Mensch“. Für PropTechs mit fertigen Lösungen hat die Corona Krise fast durchgängig eine stark erhöhte Nachfrage gebracht. Die Auswirkungen auf Branche sind ungewiss, werden aber sicherlich tiefgreifend.

Vor Corona wurden PropTechs bestenfalls müde angelächelt, wenn sie ihre Lösungen mit Sales-Argumenten wie Kostenoptimierung und Effizienz durch Automatisierung anboten. Schlimmstenfalls führte dies zu Hohn & Spott wegen Irrelevanz. Ob voller Auftragsbücher, gut gehendem Business und dem völligen Fehlen jeglichen Leidensdrucks war das Sprechen über „bessere“ Prozesse schlicht kein Thema, dem es sich lohnte Zeit zu widmen.
Zwar gab es durchaus eine Reihe Unternehmen, denen der Rückstand technologisch bewusst war, die die Endlichkeit ihrer Geschäftsmodelle voraussahen und sich strategisch wie auch operativ mit ihrer Neuausrichtung beschäftigten. Doch wie in allen Branchen gab es hunderte Argumente, dies langsam, gemächlich, mit nicht besonders viel Druck und insbesondere nicht besonders viel Budget umzusetzen.

Spürbarer Druck
Mit Corona, der Krise und dem vielleicht doch am Horizont aufziehenden Sturm, der eben nicht nur den Shoppingcenter- oder Hotelbetreiber an seine Grenzen bringt, ist etwas aufgekommen: Druck. Zu Handeln. Zu schützen. Zu optimieren. Sich auszurichten und zu wappnen.
Für jede Innovation braucht es Druck. Und es gibt kein Ereignis in Wissenschaft, Natur oder Wirtschaft, in der Struktur verändernde, grundlegende, exponentielle Veränderung ohne solchen Druck von außen erfolgt wäre. Dies müssen nicht gleich Meteoriten-Einschläge oder ein Blitzeinschlag zum Entdecken des Feuers sein. Es muss auch nicht so desaströs ausgehen wie bei Nokia oder Kodak, die den Schuss nicht hörten, während ihre alten Geschäftsmodelle von einem auf den anderen Tag zerstört wurden. Doch wie tiefgreifend der Strukturwandel ausgelöst durch Corona sein wird, ist etwas, dass erst in den Geschichtsbüchern angemessen bewertet werden kann.

Viele wünschen sich eine Rückkehr zum „Status quo“ vor Corona. Wo vieles klarer und einfacher war. Obwohl die Krise, der Shut Down, die Analysen Jahrzehntelang gepflegte Schwachstellen offenbaren, macht das Neue, das Veränderte Angst und weckt die Sehnsucht nach Vertrautem.
Doch der wirtschaftliche Druck – und sei es bei einigen bisher nur die Angst vor dem noch kommenden – wird Veränderung bringen.

 

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Die Zeit für Veränderung ist gekommen.

Die Kurzsichtigen
Ganz wenige, dafür laute Stimmen geben von sich, dass es zu früh sei für strategische Themen. Das es jetzt um Operatives gehe, um Bestandssicherung und Krisenresistenz – und dass dies NICHTS mit Digitalisierung zu tun habe. Sogar die Aussage, dass PropTech Lösungen, die jetzt helfen können die Ziele zu erreichen oder zu optimieren die Generation der jetzt im Chefsessel sitzenden Entscheider „nicht anspreche“. Vielleicht passt dazu die Erkenntnis, dass die Generation „Golf“ sich grundsätzlich schwer tut mit dem positiven Menschenbild, auf dem agile Methoden, Startup Thinking und erfolgreiches Unternehmensmanagement vieler großer Giganten beruht, bei dem von mündigen, verantwortungsbewussten Mitarbeitern ausgegangen wird.

Die Aufgeweckten
„Die Branche, die Welt wird nach Corona anders aussehen“, gab ZIA-Präsident Andreas Mattner in seiner Key Note beim #PropTechSpecial am 05.05.2020 zum Thema Regulatorische Rahmenbedingungen: welche Hürden müssen jetzt noch fallen, damit Immobilienunternehmen digital & zukunftsfähig durch die Krise kommen? Nicht nur Dr. Mattner glaubt, dass wir auch nach der Krise noch ein Schwergewicht als Branche sein werden. Gibt aber auch zu bedenken, dass vieles umgewirbelt werden wird und Marktkonsolidierung auch im Feld der heutigen Bestandsfirmen aufräumen wird. „Die Startups von heute sind die großen Unternehmen von morgen.“ Das habe er oft genug erlebt.
Für diejenigen, die überleben oder sogar erfolgreich sein wollen, braucht es heute Mut. Das meint explizit jetzt gegen den Strom schwimmen. Eben nicht Innovations- und IT-Budgets „optimieren“, meint kürzen und Fokus aufs Kerngeschäft – zumindest nicht in dem Sinne, dass Digitalisierung dabei keine Rolle spielt. Wie Dr. Mattner sagt: „Das Dümmste, was man machen könnte ist jetzt nicht auf Zukunftstechnologie zu setzen.“
Wie recht er haben wird, weiß heute keiner aus unserer Branche. Doch Blicke in den Finanzbereich und Fintech beispielsweise zeigen eindrucksvoll was geschieht, wenn sich in den hohen Glastürmen die Bänker zu lange sicher fühlten.

Die Macher
Beim Digital Leaders Council, der regelmäßigen Zusammenkunft von Digital-Entscheidern und Zukunftsmachern der Immobilienbranche bestand Ende April nach Wochen des Shut Downs Einigkeit, dass die Gefahr für die Etablierten mindestens genauso groß ist, zum Verlierer zu werden wie in den Krisen 2000/01 sowie 2008/09, als Innovationsbudgets trotz lauter Mahnungen bei vielen runtergeschraubt wurden.
„Nur weil wegen Corona Manager jetzt alle wissen, wie eine Kamera im Video Call ausgerichtet wird, heißt das nicht, dass sie wissen wie Prozesse digital aufgesetzt werden“, sagte ein Teilnehmer im Council. Wie nachhaltig die entfalteten Aktivitäten auf Seiten der Corporates sein werden, die seit April aktiv neue Tools ausprobieren, wie beispielsweise digitales Vermieten oder Planungsabsprachen per Video Call am interaktiven Modell, ist zwar ungewiss. Doch einheitliches Feedback von Zukunftstreibern aus der Branche ist, dass sich letztes Jahr noch der Mund fusselig geredet wurde, aber Führungskräfte regelmäßig ein „geht nicht“ Digitalisierungs-Bemühungen per Totschlag-Argument beendete. Aber durch Corona geht es doch. Und es erscheint völlig surreal, dass nach Corona alles wieder normal und herkömmlich umgestellt werden sollte. Welche Gründe könnten nach dem gesunden, effektiven Schub in kürzester Zeit zur Rückkehr bewegen? Nach logischem Menschenverstand weist jeder die Angst vor Rückschritt von sich. Doch ebenfalls ganz offen, wenn auch nur im vertraulichen Austausch sprechen diejenigen, die sich spätestens jetzt als Treiber hervortun über Angst, dass die Zweifler, die Verhinderer es doch schaffen die so dringend notwendigen Bemühungen wieder zurückzudrehen. Aus Bequemlichkeit, aus Kurzsichtigkeit. Oder schlicht, weil sie es nicht besser wissen und nicht anders können. Gewissheit gibt es nicht, doch kein Indikator, insbesondere auch beim Blick in die Geschichte oder andere Branchen weist darauf hin, dass Corona einfach so vorbeigeht und nichts hinterlassen haben wird. Im Gegenteil. Es wird eher ein reinigendes Gewitter werden, dass intern in Unternehmen wie extern auf ganze Branchen und jeden einzelnen bezogen die erdrückende Luft, Last der Vergangenheit in frische klare Perspektiven verwandelt. Besonders, wenn „the very new normal“ noch Monate Abstandsgebote, Social Distancing und damit verbunden tiefgreifend veränderte Verhaltensmuster bedeuten wird.

Wie andere Krisen wird auch Corona eine gesunde Bereinigung bringen. Die Frage wird sein, wie werden sich die Geschäftsmodelle der Immobilienbranche in zwei, drei oder fünf Jahren verändern. Und wo stehen wir in zehn Jahren?

Plötzlich ist Druck da. Corona ist eine Chance für Veränderung. Und damit eine Chance für die Gewinner von Morgen, die Potentiale für bessere Prozesse und effizientere Lösungen heute zu implementieren. PropTechs können dabei Teile der Antwort liefern, um kurzfristig und nachhaltig unanfälliger gegen Krisen zu werden. Die Hausaufgaben intern, die Grundlagen zu schaffen, um digital unterwegs zu sein und langfristig auch zukunftsfähig das Geschäftsmodell zu wandeln, waren bisher nie so drängend wie jetzt.

 

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Alexander Ubach-Utermöhl             Sarah Maria Schlesinger

Managing Director                             Managing Director

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Knigge für digitales Netzwerken

By Booster Inside No Comments

11 dringende Empfehlungen, nicht nur für Video-Calls & digitales Speed-Dating

Manch ein Teilnehmer an Video-Calls hat nicht verstanden, dass Home Office nicht zwangsläufig bedeutet, sämtliche Benimmregeln und guten Manieren zu vergessen. Dies gilt insbesondere auch bei digitalen Netzwerkformaten wie Speed-Dating oder 1 to 1 Videocalls. Auch in der digitalen Welt gibt es ein paar Empfehlungen, die dringend beachtet werden sollten:

1. Kleider machen Leute
Zumindest oben rum sollte auf ordentlich-saubere Kleidung geachtet werden. Soweit der Kamera-Ausschnitt übertagen wird, dürfen es auch geschmackvolle Farbkombinationen und gepflegte Haarfrisuren sein. Wie im echten Meeting machen Kleider Leute und eine ansprechende Optik den Gesamteindruck und Gesprächserfolg zumindest nicht unwahrscheinlicher.

2. Ready für Online
Zu spät einwählen oder dann erstmal mit Mikrofon und Kamera rumbasteln kostet nicht nur die eigene Zeit sondern nervt alle Gesprächspartner. Alle gängigen Video-Call- oder Webinar-Programme haben Testlinks, um vorher Kamera und Mikrofon zu testen. Bitte denke auch daran, dass Deine Kamera neben Dir auch die Umgebung überträgt. Überlege Dir, wie viel Du von Deinem privaten Zuhause übertragen und damit von Dir preisgeben möchtest. Ein neutraler Hintergrund ist in jedem Fall eine gute Idee.

3. Quiet please
Das Potential für Missverständnisse zwischen Menschen ist so schon hoch genug. Dies muss nicht durch unnötige Störungen erhöht werden. Suche Dir für Deine Video-Calls eine ruhige Umgebung. Nutze ein Headset – idealerweise mit Umgebungsgeräuschunterdrückung, so dass Du voll konzentriert auf die übertragenen Töne bist. Und bitte beachte, dass Straßenlärm vom geöffneten Fenster oder Vogelgezwitscher beim Arbeiten im Garten beim Gesprächspartner doppelt so laut ankommen können.

 

Ein aufgeräumter Arbeitsplatz gibt ein gutes Bild ab.

Ein aufgeräumter Arbeitsplatz gibt ein gutes Bild ab.

4. Do not disturb
Digitaler Austausch ist anstrengender als persönliche Meetings, da der Bewegungsspielraum still sitzend vor dem Monitor einfach viel kleiner ist als im Besprechungsraum. Daher sorge dafür, dass Du das Meeting ohne Unterbrechungen von Anrufen, Nachrichten oder anwesenden Gesprächspartnern effektiv durchführen kannst.

5. Time is money
Auch wer nicht nach Stunden abrechnet wird dankbar sein, wenn Du auf die Zeit achtest. Gerade beim Speed-Dating, grundsätzlich aber allen zeitlich limitierten Meetings gilt, möglichst noch schneller zum Punkt zu kommen und die Zeit im Auge zu behalten. Überlege vorher eine Agenda bzw. Struktur, stimme sie ggfs. mit dem Netzwerk-Partner ab und übe Dich im Moderieren von Video-Calls, die eindeutig andere Anforderungen haben als ein „echtes“ Meeting.

6. Die One-Breath-Regel
Ob im 1 to 1 oder im Gruppen-Meetings: die Zeit für eine kurze Vorstellungsrunde bzw. dafür, jeden kurz zur Begrüßung zu Wort kommen zu lassen sollte IMMER sein. Bewährt hat sich die One-Breath-Regel, d.h. jeder darf so viel berichten (über sich, über eine vom Moderator aufgeworfene Fragestellung, über die aktuelle Lage seit dem letzten Treffen o.ä.) wie er in einem Atemzug unterbringen kann. Mit ein bißchen Training führt das zu völlig neuer Disziplin. Sicher auch für die echten Welt geeignet.

7. Ziele setzen
Meetings ohne Ziel machen keinen Sinn. Häufig scheitern insbesondere digitale Meetings daran, dass ein oder alle Teilnehmer sich selbst ihrer eigenen Ziele nicht ganz sicher sind. Was im wahren Leben noch mit Ranquatschen oder Vertagen auf den nächsten Präsentationstermin weggetuscht werden kann, wird hier peinlich offensichtlich. Überlege daher genau, was Du warum vom Gegenüber willst. Was ist Deine Motivation und überlege auch, welche Gründe ihn dazu bewegen sollten, auf Dein Anliegen einzugehen.

8. Stalking erwünscht
Die digitale Welt bietet so viele Möglichkeiten, etwas über den Gegenüber herauszufinden. LinkedIn als erster Zugangspunkt, um mehr über Stationen, Kompetenzen, Interessen und insbesondere gemeinsame Kontakte rauszufinden. Alles mögliche Gesprächsaufhänger. Auch die Google Suche, die z.B. Artikel und Veröffentlichungen und damit Schwerpunktgebiete oder auch Meinungen identifiziert sind sowohl als Hintergrundinformation wie auch Anknüpfungspunkte wertvolles Wissen.

9. Small Talk nein – Ice breaking ja
Privater Talk über Urlaub, Wochenendausflüge & Co. haben in der Regel keinen Raum beim digitalen Netzwerken. Erst recht nicht bei zeitlich limitierten Calls. Small Talk im Sinne von Ice Breaking ist aber ein Muss, um möglichst schnell Gemeinsamkeiten zu identifizieren und sich mit dem Gegenüber auf eine Wellenlänge zu bringen. Während beim Speeddating bequemerweise die verbindenden Schlagworte eingeblendet werden, sollte in allen anderen Fällen vorher die Hausaufgabe unter 7. und 8. gemacht worden sein.

10. Analysiere die Bedürfnisse
Insbesondere beim Speeddating oder 1 to 1 Video Calls mit bisher unbekannten Netzwerkpartnern bleiben nur wenige Minuten, um die BEdürnisse des Gegenüber zu verstehen. Nach der Vorstellungsrunde und dem idealerweise schnellen Finden von Anknüpfungspunkten (siehe 8. Stalking erwünscht – auch live während des Calls) frage gezielt nach dem Bedarf, wo der Gesprächspartner die größten Entwicklungspotentiale sieht bzw. welche Strategie sein Unternehmen gerade verfolgt. Idealerweise bittest Du mit gezielter Frage darum, dass die Antwort in 3 kurzen Bulletpoints erfolgt. Das sorgt für Fokussierung und die Konzentration beim Gegenüber häufig dazu, dass er intuitiv das Wesentliche formuliert. Notiere Dir die genauen Formulierungen. Diese helfen Dir beim Follow up.

11. Follow up
Rechtzeitig ansprechen, wie miteinander verblieben werden soll. Die Regel gilt für alle Kontakte, mehr aber noch für digitale Meetings. Wenn Du 7. Ziele setzen gut vorbereitet hast, dann weißt Du schon sehr genau, welche nächsten Schritte kommen sollten. Spreche diese bewusst aus, zurre Verantwortlichkeiten fest und besonders wichtig: setze Deinen Gegenüber eine Deadline bzw. vereinbare einen festen Zeitpunkt bis wann Du dazu eine Rückmeldung erhälst. Häufig sind diese abhängig von internen Rücksprachen. Lass Dich an dieser Stelle nicht abwimmeln sondern nagel Deinen Kontakt fest. Nur so hast Du einen Anpack zum Nachfassen.

 

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