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Sarah Schlesinger

Der Aufstieg von PropTech & der Ausblick in goldene 2020er

By Booster InsideNo Comments
HypeCycle PropTech Grafik 2020

Quelle blackprint Booster GmbH 2020

Das endende Jahrzehnt der 2010er brachte endlich auch der Immobilienbranche die Digitalisierung. Über alle Asset Klassen von Residential, Office, Retail, Logistik und weiter. Über alle Phasen des Lebenszykluses von Projektentwicklung, Planen, Bauen, Baumaterialien, Betreibung, Finanzierung, Vermarktung, Renovierung bis hin zum Abriss hinweg.
Die 2010er brachten damit den Aufstieg von PropTech. Wie in anderen Branchen gilt auch hier der Hypecycle nach Gartner.
Was aktuell düster klingen mag, bedeutet einen hoffnungsvollen Ausblick in die Goldenen 2020er und großartige Chancen für die Überlebenden. Denn durch das langsame Innovationstempo im Real Estate Bereich kann von anderen Branchen gelernt werden. Deshalb ist abzusehen, dass die vor uns liegende Konsolidierungsphase mit realistischerem Erwartungsmanagement einhergehen werden wird. Zum Vorteil und Profit für diejenigen, die dann die Nase vorn haben.

 

Technologischer Auslöser

Getrieben durch neue Technologien, insbesondere die Durchsetzung des Smartphones, schnellerem & reichweitenstärkerem Internet sowie neuen Kommunikationsmöglichkeiten entstanden vor zehn Jahren die ersten neuen Geschäftsmodelle mit Bezug zu Immobilien. Druck und Chancen durch das Bestellerprinzip triggerten 2015 eine erste Flut an PropTechs, d.h. Tech-Unternehmen, die Ineffizienzen damals insbesondere in der eng gedachten Immobilienwirtschaft, sprich im Bereich Vermarkten, löste. Dadurch, dass FinTech und die Digitalisierung im Bankenbereich erheblich weiter fortgeschritten ist, gleichzeitig ein großer Umsatzanteil dort auf Asset-Deals entfällt, kam von außen Schwung in die Branche. Erste Leuchttum-Unternehmen aus dem Real Estate Bereich erkannten den Handlungsdruck und starteten ihre Gehversuche in Form von Pilotprojekten mit PropTechs, eigenen Startup-Beteiligungen, Digital Labs, der Installation von CDOs oder anderen Innovationsbemühungen zur Effizienzsteigerung oder Erweiterung des eigenen Geschäftsmodells. Einige ganz wenige erkannten dankenswerterweise Notwendigkeit und Wert eines Ökosystems zur Förderung von PropTech, um die Branche insgesamt voranzubringen.

 

Der Gipfel überzogener Erwartungen

Die Euphorie durch das Entdecken immer neuer PropTechs, die ab 2018 auch immer stärker den gesamten Immobilienlebenszyklus erfassten, stieg auf den Gipfel überzogener Erwartungen. Insbesondere auch für die Bereiche Planung, Bauen sowie Asset Management bis zu Facility Services – und damit den wirklichen Kostentreibern über die Lebensdauer einer Immobilie – poppten Tech Teams auf und präsentierten Lösungsansätze. Der Glauben daran, dass der gerade programmierte MVP-Button alle Probleme der letzten 35 Jahre – intern wie extern – mit einem Klick wegzaubern würde, war extrem hoch. Dabei muss realistisch gesagt werden, dass in dieser Phase, wie auch in anderen Branchen, gemäß Hype Cycle zwar einige Startups erfolgreich neue Anwendungen hatten, die meistern MVPs und Entwicklungsstufen dieser Zeit allerdings mit Kinderkrankheiten kämpfen mussten.
Parallel trennte sich die Masse der Immobilienunternehmen in die Digital First Mover, in solche Späterstarter, die auch langsam anfingen Ausschau zu halten, was getan werden könnte und solche Schlusslichter, die auch 2019 nach wie vor ihr Faxgerät mit auf die Expo schleppten und sich die Emails zum Abzeichnen ausrucken ließen.

 

Das Tal der Enttäuschung

Viel diskutiert wurde die Frage nach dem „PropTech Hype“. Tatsächlich entsprach die gesteigerte Heilsbringer-Erwartung an die PropTech-Teams genau diesem. Und genau betrachtet befinden sich einige Spätstarter noch immer in dieser Phase. Die First Mover kamen bereits 2018 zu der Erkenntnis, dass eine Code-Zeile allein nicht die Welt verändert. Oder Change in den Köpfen der eigenen Mitarbeiter eben nicht mit einem glanzvollen Digital-Kick-Off getan ist. Oder eine Startup-Beteiligung oder -Kooperation die Rendite nicht automatisch in schwindelerregende neue Höhen treibt. Teils bittere Enttäuschung machte sich breit. Die Faxgerät-Schlepper fühlten sich bestätigt in Ihrer zurückhaltenden Haltung. Enttäuschung kehrte sich in Wut und Abwehr. „Wir haben auch schon mal mit einem PropTech gearbeitet. Aber die konnten ja noch gar nicht all das, was die versprochen haben.“ Und deshalb aufhören?
Mathematisch betrachtet nach der Gartner-Beraterin Jackie Fenn, die den Begriff des Hype-Cycles zur Bewertung der öffentlichen Aufmerksamkeit bei der Einführung neuer Technolgien prägte, handelt es sich bei diesem Frust um das Abklingen nach einer Sprunganregung. Während die Aufmerksamkeit anfänglich explosionsartig steigt – den „Gipfel der überzogenen Erwartungen“, fällt sie auf ein Minimum – ins „Tal der Enttäuschung“. Roy Amara hat dies in einer Gesetzmäßigkeit formuliert, in der sich die zukünftige Immobilienbranche gerade befindet, nämlich, dass wir dazu neigen, die Wirkung von Technologie kurzfristig zu überschätzen, die langfristige unterschätzen.

 

Der Pfad der Erleuchtung

Obwohl PropTech nicht alle Erwartungen erüllen konnte und das Buzzword Digitalisierung nicht mehr (sinnlos) auf jeder Bühne oder in jeder Berichterstattung auftaucht, führen insbesondere bei den weit entwickelten First Movern (denen, die kapiert haben, dass Change lange Zeit braucht, viel Geld kostet – und im übrigen alternativlos ist) zu realistischer gewordenen Einschätzungen. Ein entwickeltes gesundes Erwartungsmanagement, der Pfad der Erleuchtung, führt zu tieferem Verständnis für Technologie, Ihre Grenzen sowie realistische Möglichkeiten und Machbarkeiten sowie für die praktische Umsetzung. Am Liebsten möchte man jedem Corporate laut zurufen, dass Digitalisierung KEIN Ziel ist, dass sie nur Sinn macht im Rahmen einer zukunftsfähigen Gesamtstrategie, dass das nur funktioniert, wenn die liebgewonnenen Bereichsleiter-Ebenen oder sonstigen Machtsilos sowohl in Budgets wie auch in personellen Strukturen aufgebrochen wird und dass Digitalisierung außerdem nicht mal eben so von einem Innovationsverantwortlichen zur positiven Imagebildung in Form eines Alibi-Projekts erfolgen kann. Doch die einen wissen es schon – und ringen mit den Herausforderungen des Change Prozesses. Die anderen warten lieber ab, bis die Lösungen „dann fertig sind“. Und klopfen schon mal an, wie sie eben auch schnell eine PropTech-Beteiligung aufziehen können, um damit ganz schnell ganz viel Geld zu verdienen.

 

Das Plateau der Produktivität

Öffentlich present war 2019 der anfängliche Hype vorbei und PropTech wurde zum Unwort erklärt, dass man besser nicht mehr auf öffentlichen Bühnen benutzen wollte, um nicht anzuecken. Das Tal entwickelte sich. Da die Schere zwischen First Movern und Spätstartern immer größer wurde, zeigen erste Vorbild-Leuchtturm-Unternehmen, wie es gehen könnte. Und zeigen damit, was 2021 ob des Innovationstempos von Technologie-Entwicklung allgemein niemand mehr in Frage stellen wird: PropTech wird allgemein anerkanntes und akzeptiertes Fachwort. Die angebotenen Tech-Lösungen werden relevanter und solider weiterentwickelt sein. Gleichzeitig werden heute noch nicht gelöste oder auch noch nicht lösbare Probleme in den Fokus geraten sein. Zusammenschlüsse von Unternehmen, Martkabgänge durch Auflösung oder Aufkäufe und insbesondere auch Kooperationen bzw. Bundles-Angebote werden den PropTech-Markt konsolidieren. Zeitversetzt, doch unausweichlich, wird eine weitere Konsolidierung stattfinden. Grundlegender und wohlmöglich aufsehenerregender. Die der heute noch Etablierten, die es nicht mehr schaffen, sich rechtzeitig auf Zukunft auszurichten, die aufs falsche Pferd gesetzt haben oder die schichtweg nicht genug Power haben im sich verändernden Marktgefüge zu bestehen.
Blicke in weiter entwickelte Märkte als den deutschen zeigen, dass Bauwirtschaft und Immobilienwirtschaft, die sich heute nicht mal als eine Branche verstehen, zukünftig konzeptionell nicht getrennt betrachtet werden können bzw. noch viel enger zusammenwachsen. Bereits in der Projektentwicklung werden alle Beteiligten eingebunden. Auch oder insbesondere BIM, Building Information Modelling, hat als Secret Ingredients für die neue Immobilienwelt Game Changer Potential. BIM bezeichnet eine Welt aus zusammengeklickten Einzellösungen, die in Ihrer Gesamtheit den Lebenszyklus von der Idee über Bau bis Betreibung und schlussendlich Abriss verknüpfen wird. Wenn BIM sich technologisch und in den Köpfen in allen Dimensionen durchgesetzt haben wird, liegt hier Potential für Effizienzsteigerung und neue Profit-Potentiale in einem Maße, dass heutige Silo-Vertreter sich gar nicht vorstellen können.

 

PropTech im Tal der Tränen – eine gute Botschaft für die Branche

So zeigt sich die Entwicklung der PropTech Szene zwar gleich zu Beginn der 2020er im Tal der Tränen mit den ersten großen Meldungen über Insolvenzen von heißen PropTech-Wachstumskandidaten. Die Konsolidierungswelle kommt ins rollen.
Und das ist gut so. Aus der Vielzahl der über 600 PropTech Unternehmen gehen insbesondere im Plattform-Bereich einige wenige starke hervor. Von den technologischen Einzellösungen wird nicht jede gebraucht. Nicht jeder braucht ein eigenes Dashboard. Und noch viel weniger braucht wirklich jeder den Kundenkontakt. Bundles-Kooperationen und Zusammenschlüsse werden der Branche relevante Lösungen bringen und beiden Seiten Vorteile. Und währenddessen weichen die Gegensätze zwischen den vermeintlich Jungen Wilden und den Etablierten Unternehmen weiter auf. Einige PropTechs von heute werden gar zu den Etablierten von Morgen. Zum Ende der goldenen Zwanziger wird in der Rückschau PropTech auch im vor uns liegenden Jahrzehnt eine starken Aufstieg vollzogen haben. Angst, dass Wort in den Mund zu nehmen, wird dann keiner mehr haben.
Bis dahin darf gespannt beobachtet werden, wie sehr es der Immobilienbranche und ihren Wirtschaftszweigen gelingt, Zukunft selbst zu gestalten. Oder wie sehr Plattformen wie Google, Amazon & Apple in jüngst bekanntgegebener Kooperation ihre Markteroberung im Smart Home Bereich auf weitere Herausforderungen ausweiten und damit klassische Geschäftsmodelle und heutige Branchenriesen wohlmöglich obsolet machen. Es bewegt sich was. Von innen. Noch mehr von außen. Das ist eine gute Botschaft für die Branche.
Zumindest für diejenigen, die das Fax stehen lassen.

Ein Ausblick von Sarah Maria Schlesinger

5 Learnings für PropTechs zur EXPO REAL

By Booster InsideNo Comments

Noch immer ist die EXPO REAL die wichtigste Deutsche bzw. Europäische Messe für Immobilien und Investitionen. Auf den ersten Blick also genau der richtige Ort für PropTechs, um mit der Branche in Kontakt zu kommen und mehr über die Prozesse und Unternehmen zu erfahren, die digitalisiert und zukünftig disruptiert werden sollen. Insbesondere, da zum ersten Mal seit 11 Jahren eine neue Halle hinzukam: eine extra Halle für Innovation. Wobei dies auf den zweiten Blick zu einer noch stärkeren Trennung zwischen old economy und new economy führt. Doch da die EXPO REAL dank unfassbar hoher Stand-, Ticket- und begleitender Reisekosten gleichzeitig eine der teuersten Messen ist, sollten einige Tipps befolgt werden, um den Messeauftritt tatsächlich effizient zu gestalten. Dazu haben wir dieses Jahr viele PropTechs und Corporates befragt und folgendes zusammengefasst.

1. Termine, Termine, Termine

Die Stimmung war fast durchgängig positiv bei den PropTechs ob Anzahl und Qualität der geführten Gespräche. Doch richtig happy waren vor allem diejenigen, die sich im Vorfeld der Messe den Kalender randvoll mit Gesprächsterminen mit den richtigen Ansprechpartnern vereinbart haben. Dies galt übrigens sowohl für diejenigen mit eigenem Stand wie auch den PropTech-Teams, die "nur" als Besucher da waren. Spontan auf Corporate-Ständen gehaltvolle Gespräche zu führen ist kaum jemandem gelungen. Also nicht nur für die EXPO REAL gilt: Termine, Termine, Termine als Erfolgsvoraussetzung. Und insbesondere für jüngere Teams gilt, dass der erste Messeauftritt wohl möglich auch ohne Standpräsenz funktioniert.

2. Vorbereitung ist die halbe Miete

Deutlich häufiger als im Vorjahr berichteten die PropTechs, dass im Vorfeld der Messetermine die Ansprechpartner bereits nach Ihren Bedürfnissen interviewt wurden, um gezielt darauf eingehen zu können. Andere wiederum berichteten, dass durch Werbung Corporates direkt auf sie zukamen und ihre Anliegen inkl. Terminwunsch für die EXPO REAL vorher platzierten. Klar, dass die Erfolgsquote der Gespräche so enorm steigt. Es lohnt also offensichtlich sehr, sich für die Messeteilnahme eine Marketingstrategie zu überlegen, die bereits Wochen vorher mit gezielten Aktivitäten beginnt.

3. Nachher ist vorher

Viel höher scheint mittlerweile der Professionalisierungsgrad der Kontaktpflege auf Seiten der Startups zu sein. Fast alle PropTechs gaben an, mittlerweile mit Hubspot, Sales Force oder anderen CRM-Tools zu arbeiten. So können Gesprächsinhalte, sich ergebende Aufgaben oder wichtige Notizen verwaltet werden. Viele hatten bereits den Prozess der Termin-Nachbereitung vorbereitet, so dass beispielsweise Dankeschön-Nachrichten bzw. Folgetermin-Vereinbarungen direkt versendet werden können. Denn Deals wurden auf der EXPO REAL selten gemacht. Der eigentliche Mehrwert der Messe wird also erst durch die Nachbereitung deutlich. Es gilt: nach der Messe ist vor dem nächsten Schritt: dem Deal-Abschluss.

4. Außergewöhnliches schafft Aufmerksamkeit

Auch wenn das eigentlich logisch ist: Die PropTechs mit außergewöhnlichen Auftritten waren Gesprächsthema bei den etablierten Corporates. Ob Innovationshalle NOVA3 als Ganzes oder die Tech Alley im Speziellen: für manche war dies wie ein Dschungel, ein Angebots-Überfluss, in dem Orientierung schwer fiel. Frühphasige standen direkt neben weit entwickelten Startups. Thematisch war ebenfalls keine gute Orientierung möglich. Selbst die eigentlichen Logos der Teams an den Reihentischen kaum wahrnehmbar. Ernüchternd aber wahr: ob Gadget-Geschenk, Gewinnspiel oder aufgebautes Spielzeug zum Anfassen, das waren die Lösungen, über die sich die Corporates untereinander austauschten. Es lohnt also Energie nicht nur in Flyer & Technik zu stecken sondern auch in Inszenierung.

5. Netzwerken ist einfach alles

Während früher Deals gemacht wurden, scheint die EXPO auch auf Entscheider-Ebene immer mehr zum Wiedersehens- und Netzwerk-Event zu werden. Wie gehaltvoll dann noch große Messeauftritte für die Corporates sind, scheinen einige Player bereits zu hinterfragen. Noch drängender aber waren die Fragen, auf welchen Standpartys man sich abends wiedersieht. Und wer Einladungen zu bestimmten Gästelisten-Events vorzuweisen hatte, genoß Ansehen. Spannend zu sehen, wie einige C-Level-Vertreter von Corporates erstaunt schauten, während PropTechs neben Ihnen von der wichtigsten EXPO REAL Party im P1 sprachen, zu der sie selbst nicht geladen waren. Und noch viel spannender zu sehen, wie easy die Visitenkarten den Besitzer wechselten beim gemeinsamen Cocktail, Singen und Lachen. Geschäft wird eben mit Menschen gemacht. Vorzugsweise mit solchen, die man kennt und positiv abgespeichert hat. Netzwerken ist einfach alles. Und Netzwerkzugang wie beispielsweise über die GPTI einfach unbezahlbar.

11 Gründe warum Investments von strategischen Investoren gefährlich werden können

By Booster InsideNo Comments

… und warum Startups sich genau überlegen sollten, ob sie sich einen Unternehmensinvestor in den Cap Table holen sollten

Immer mehr etablierte Branchen-Unternehmen, die den Druck der Digitalisierung spüren, entscheiden sich dafür, in Startups zu investieren. Einige tun dies sogar nach anfänglichen Gehversuchen – oder sogar als grundlegende Unternehmensstrategie in einem separaten Venture-Arm zur Verwaltung von Beteiligungen. Ob diese Wagniskapital-Investitionen dazu dienen sollen, Innovation ins Unternehmen einzukaufen, ob es um eine Geschäftsmodell-Erweiterung des eigenen Kerngeschäfts geht oder um die Hoffnung auf großartige Profite ist erstmal nebensächlich. Grundsätzlich gilt ohne Hinterfragen der Motivation, dass Investments in Startups durch Corporate VCs für beide Seiten eine großer Herausforderung darstellen, zu großen Problemen führen und sowohl etablierte Unternehmen wie Startups sich gut überlegen sollten, ob sie diesen Schritt wirklich gehen wollen.
1

Schwierigkeiten mit Technologien

Unternehmensinvestoren fehlt es an Zeit, Ressourcen und Fachwissen, um interne Impulse für die Umsetzung neuer Technologien und Strategien zu generieren oder zu integrieren. Insbesondere solche Corporte VCs, die eigene Inkubatoren- oder Acceleratorenprogramme führen zwar zu kleinen Investments und Pilotprojekten, doch eine konsequente Partnerschaft auf Augenhöhe scheitert häufig an unternehmensseitig fehlendem Willen oder auch Ressourcen.
2

Unerwünschte Skalierbarkeit

Corporates haben Ihren Eigennutzen, beispielsweise die eigene Effizienzsteigerung oder Geschäftsmodellerweiterung im Fokus. Es widerspricht in der Regel jeglicher Zielsetzung, Lösungen auch Wettbewerbern zugänglich zu machen. Sie investieren daher nicht unter dem Gesichtspunkt, ob ein Geschäftsmodell schnell skalierbar, disruptiv und marktverändernd werden kann bzw. können diese Entwicklung – ob absichtlich oder unabsichtlich – sogar verhindern.
3

Starres Konzerngerüst

Corporates verstehen nicht, wie wichtig ein VC-fähiges Setup des Startups ist. Außerdem fehlt Ihnen das nötige Investment-Netzwerk. Wachstum braucht aber meist viel Geld: von Wagniskapitalgebern. Doch Corporates glauben, dass bereits Ihr Einsatz von ein paar hundert- bis 1,x Mio € 25,1% Anteile und mehr wert sind. Sie verlangen viele Anteile und konzernübliche Kontrollrechte. So sorgen sie dafür, dass die Gründer in Augen von Wagniskapitalgebern eine zu schwache Stellung haben und nicht ausreichend incentiviert sind. Damit wird ein Investment durch VCs unattraktiv.
4

Absurde Profitabilität

Investitionen müssen sich direkt rechnen. Auch solche in Innovation und Digitalisierung.
Das Bewusstsein, dass Prozessoptimierung und je nach Fortschritt bei Mitbewerbern auch Geschäftsmodellerweiterung zunächst erstmal blanken Kampf ums Überleben darstellen, fehlt. Absurd anzunehmen, dass ein Unternehmensvertreter Kosten plant um sinkender Profitabilität entgegenzusteuern. Und absurd, von Startups direkte Profitabilität, erst recht fürs eigene Investment in kurzer Zeit zu erwarten.
5

Fehlende Agilität

Corporates bewegen sich langsam. Wer als Startup in Pilotprojekte mit Corporates einsteigt, bindet häufig langfristig Ressourcen, die zu Lasten der Schnelligkeit gehen. Das Bewusstsein, wie schädlich dies für Startups sein kann, fehlt auf Corporate-Seite allerdings meist. Und selbst wenn der Wille da ist, verhindern lange Entscheidungswege, diverse Strukturen oder konzernpolitische Macht-Spiele Agilität. Wer den Corporate erstmal im Cap Table hat, kann dieser Falle nicht mehr einfach entkommen.
6

Schlechte Zahlungsmoral

Mehrstufige, langwierige Freigabeprozesse für Verträge oder Rechnungen bis hin zur Veranlassung von Zahlläufen sind in Corporates Standard – oder müssen aus Compliance Gründen sogar so sein. Dies kann Subunternehmer, erst recht Startups, in ernste finanzielle Schwierigkeiten bringen. Bei Kooperationen mit investierten Corporates bringen dann Mahnungen & Co. doppelten Ärger.
7

Ablehnung von VCs

Die Suche nach Einhörnern ist das Geschäftsmodell von VCs. Es gibt in keiner Branche ein Einhorn-Beispiel, bei dem ein Corporate VC eine Rolle spielte. Im Gegenteil. Umfragen unter großen VCs zeigen, dass diese unter keinen Umständen mit Corporate VCs zusammenarbeiten möchten.
8

Reporting Verpflichtungen

In bestimmten Fällen sind Corporates verpflichtet, Ihre eigene Perfomance regelmäßig zu berichten. Dies betrifft dann auch die von Beteiligungen. Bei reinem Finanzkennzahlen-Reporting fallen Startups häufig negativ auf bzw. die relevanten Wachstums-KPIs finden keine Beachtung. Corporate VCs wissen häufig auch gar nicht um Benchmarks und Best Practice Informationen. Abgesehen vom erheblichen Aufwand zur Erstellung entsprechender Reportings kann dies zu Erfolgsdruck führen, der je nach Unternehmensphase des Startups schädlich ist.
9

Sich verändernde Strategien

Corporates möchten häufig "irgendwas machen" und haben dann Schwierigkeiten Prioritäten zu setzen. Gleich, ob Pilotprojekt, Kooperation oder bloße Beteiligung – nicht selten sind Startups mit wechselnden Ansprechpartnern, unterschiedlichen Motivationen oder schlimmstenfalls sich verändernden Strategien auf Seiten der Corporates konfrontiert. Wenn sich die Priorität beim Corporate VC plötzlich weg vom Startup bewegt, können die fehlende Ressourcen-Zur-Verfügungsstellung, das fehlende Sparring oder auch sicher geglaubte Auslastung auf Seiten des Startups zu Problemen führen.
10

Unterschätzter Aufwand

Wenn Corporates anfangen digital werden zu wollen, verfallen sie häufig in klassisches Besitzdenken und „kaufen“ sich Anteile an jungen Unternehmen. Nach dem Motto sich ddie Digitalisierung zu kaufen. Wie viel Aufwand das Beteiligungsmanagement (an Startups auch im Vergleich zu sonstigen Konzerngesellschaften) bedeutet, wird dabei völlig unterschätzt oder überhaupt nicht erwartet. Entsprechend können sich Prozesse wie beispielsweise Finanzierungsrunden oder wichtige Gesellschafter-Entscheidungen auf Seiten des Startups schmerzhaft verzögern oder sogar scheitern.
11

Redundanz

Unternehmen versuchen oft, große Herausforderungen der Branche zu lösen, indem sie isoliert den Aufwand verdoppeln und nicht von den Erfahrungen anderer Unternehmen lernen. Dies widerspricht den offenen, auf Kooperation angelegten Strukturen von Startups. Wenn Silodenken eines Corporate-VCs Startups von Kolaboration abhält oder dies aktiv verhindert, ob zum Wettbewerbsschutz oder aus klassischer Konzerndenke, kann dies massive Innovations- und Wachstumsbremse für das Startup bedeuten.
Es gibt durchaus positive Beispiele, bei denen Corporates ganze Venture Firmen aufgesetzt haben. Diese mit dem klaren Ziel Wagniskapital zu investieren, um daraus Profit zu generieren. Nicht als Zusatzhobb, nicht als Innovations-Einkauf, nicht mit dem Fokus der Geschäftsmodell-Erweiterung und nicht als vermeintlicher easy und quick Profit-Win. Eben ganz ohne Verknüpfung zum operativen Business. Als separate, unabhängige Entity. Mit entsprechenden agilen Strukturen, Know-How und mit vorhandener Netzwerkanbindung, von denen Startups profitieren können.

Dies kann eine hervorragende Strategie sein. Und dies können optimale Partner für Startups auf Wachstumskurs sein. Leider hat dies mit der Herangehensweise vieler etablierter Unternehmen heute wenig zu tun.

Further Readings:

  • Unser Booster Alumni Tim Meger-Guinkamp hat aus seinen eigenen Erfahrungen einen Kommentar zum Thema Zusammenarbeit mit strategischen Investoren geschrieben. Hier geht’s zu dem Beitrag.
  • Warum Corporate Venture Capital übrigens häufig als „Tourist Capital“ gilt, könnt ihr hier nachlesen.
  • Zur Motivation von Corporate Venture Capital könnt ihr hier mehr lesen.

Amazon nimmt Wohnungswirtschaft und Gewerbeimmobilienmarkt in den Fokus

By Booster InsideNo Comments

Was 2018 noch unter nicht belegbare Gerüchte fiel, scheint schneller wahr zu werden als gedacht – oder aus Immobilienbranchensicht gefürchtet. Zu recht. Der Tech Gigant Amazon ist dafür bekannt, neue identifizierte Geschäftsfelder systematisch, schnell und grundlegend umzukrempeln. Was im Fintech-Bereich bereits erfolgt ist, dass Amazon fast jeden klassischen Geschäftsbereich einer Bank mit einem smarten Angebot angreift, erwartet jetzt die weltweit höchst lukrative Immobilienwirtschaft.

Nach dem primären Fokus auf den Smart Home Bereich, der mit Alexa & Co. bereits erfolgreich erobert ist, agiert Amazon als Entwickler smarter Gebäude, als Schnittstellenplattform zwischen Käufern und Verkäufern und geht in Kooperation mit Amerikas größter Bau- und Immobilienfirma Lennar bereits erste Schritte ins Häusle-Bauen. Gebaut werden Immobilien, die mit Amazon-Hardware und Alexa-Software direkte Mehrwerte für die Bewohner schaffen. Komfortabler und einfacher wird es auch im Office-Bereich, nachdem Alexa for Business als intelligenter Assistent für Besprechungsraum-Buchungen, Kalender-Verwaltung oder Antwort-Assistent gelauncht wurde.

Und wer seine Immobilie über die Amazon-Vermittlungsplattform TurnKey kauft, erhält tausende Dollar um das neue Zuhause mit Amazon Devices auszustatten.

Doch der One-Stop-Shop geht jetzt schon weiter und bietet bereits Do-it-yourself Bausätze und Container-Häuser inkl Solarpower an. Damit zahlt Amazon voll auf den Trend zu Mikro-Living ein und kreiert Antworten zu explodierenden Baukosten und Nachhaltigkeit. Expertenmeinungen deuten die strategischen Schritte und insbesondere die neueste Investition in einen Anbieters für Off-Site-Construction & Modulbauweise als das klare Signal, dass Amazon noch stärker die Immobilienbranche erobern wird. Wir meinen: es wird höchste Zeit für die etablierten Unternehmen aufzuwachen, dass Digitalisierung zunächst nicht Wachstumsstrategie sondern den blanken Kampf ums Überleben darstellt.

Die stille Revolution: Modulbauweise genehmigt

By Booster InsideNo Comments

Innovation und Fortschritt braucht Rahmenbedingungen, die Neuerungen zulassen. Doch bisher war eine massentaugliche, preiseffiziente Fertigung wie im Automobilbereich oder ein einfacher, günstiger Einkaufsprozess wie im Discounter beim Neubau einer Immobilie fern ab der Realität. Dabei ist insbesondere der Baubereich einer der gravierendsten Kostenfaktoren im Immobilienlebenszyklus. Um hier grundlegende Verbesserung zu bringen, ist nicht der Ruf nach mehr Fachpersonal auf der Baustelle nachhaltig hilfreich. Die Veränderung der Wertschöpfungsketten allerdings schon. Off-side-Construction für Vorfertigung von Bauteilen beispielsweise für modular zusammenfügbare Bauteile sind dabei ein erheblicher Effizienzsteigerungsbringer.

Durch zentralisierbare Einkaufs-, Fertigungs- und Logistikprozesse sind vom Bäckereihandwerk bis zum Frisör bereits lange zuvor Wirtschaftszweige auf den Kopf gestellt worden.

Doch endlich profitiert auch unsere Branche von diesen Erkenntnissen: Nicht heimlich, aber ohne lautes Announcement erfolgte für den Baubereich bereits am 22. Februar 2019 das Setzen entscheidender Rahmenrichtlinien. Auf Beschluss der Bauministerkonferenz erfolgte die Aufnahme der Typengenehmigung in die Musterbauordnung (MBO). Dies ermöglicht die vereinfachte Zulassung seriell und modular errichteter Wohngebäude.
Der neue § 72a der MBO sieht vor, dass die Typengenehmigung auch für Gebäude erteilt werden könne, „die in unterschiedlicher Ausführung, aber nach einem bestimmten System und aus bestimmten Bauteilen an mehreren Stellen errichtet werden sollen.“

Damit können die nicht nur von Bauherren geforderten Einsparungen von Zeit, Geld und Nerven erreicht werden. Dies kann und wird sicher auch Antworten zur Forderung nach bezahlbarem Wohnraum durch kürzere Bauzeiten und neue Nachverdichtungsmöglichkeiten bringen.

 

Im Detail: Abkehr vom klassischen Bauen
Anders als herkömmlich verläuft die Vorfertigung auf Werksstraßen in Fabrikhallen, bei gleichbleibenden Bedingungen und strengen, dafür viel einfacher überwachbaren Qualitätskontrollen. Die Ausführung der Module ist sehr präzise, die Toleranzen sind deutlich kleiner als im klassischen Massivbau.
Hinter der Aufnahme der Typengenehmigung in die Musterbauordnung steckt das, was Verbände der Wohnungs- und Bauwirtschaft seit längerem forderten: ein vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren für Modulbauten.
Dies bringt nicht nur für das Bauen, auch das Planen neue Möglichkeiten, sofern Architekten willens sind, sich kreativ auf die entstandenen Chancen einzulassen. Während heute in der Regel aus einer städtebaulichen Situation heraus eine Immobilie in der Kubatur konzipiert wird und anschließend daraus Grundrisse geplant werden, beginnt der Prozess der Modulbauweise mit den für die Bewohner wichtigsten Elementen, nämlich durchdachten Grundrissen, aus denen sich dann eine Gebäudefigur entwickelt.
Dies erfordert eine neue Form der Kreatitvität auf Seiten der Planer. Und sicher auch eine gehörige Portion Willen, die neuen Möglichkeiten auszunutzen.
Das Chancenpotential dieser neuen Rahmenbedingungen kann aber auch im positiven eine Revolution auslösen, der hoffentlich viele Hände zum Erfolg verhelfen.

Warum wir PropTech europäisch denken müssen

By Booster InsideNo Comments

Die digitale Transformation ist keine nationale Erscheinung.

Vor zwei Jahren war der Begriff „PropTech“ noch völlig unbekannt. Während die Digitalisierung in anderen Branchen bereits tiefgreifende Veränderungen und neue Player hervorbrachte, wies die Wertschöpfungskette entlang des Immobilienzyklus bis dato so gut wie keine digitale Transformation auf.

Seitdem hat sich viel getan.

PropTechs revolutionieren die Immobilienbranche

„PropTech Unternehmen lösen kundenorientiert und mit innovativen und skalierbaren Geschäftsmodellen Ineffizienzen in der Immobilienwirtschaft unter der Anwendung von Technologien“ (blackprintpartners). Sie sind diejenigen, die Innovation und Digitalisierung im Immobilienbereich vorantreiben. Dies kann den gesamten Immobilienlebenszyklus betreffen: ob für Liegenschaften, Projektentwicklung, Planung, Bau, Betreibung oder Vermarktung bis hin zum Abriss – ob für Wohn-, Büro- oder Handelsimmobilie oder gar Nutz- oder Infrastruktur-Bauwerk.

Spätestens jetzt ist jedem klar: Der Digitalisierungstrend ist „next level“! Er ist kein Trend mehr, sondern eine grundlegende Veränderung, die sich durch alle Branchen und Lebensbereiche hindurch zieht. Etablierte Immobilienunternehmen können in verschiedenster Form Treiber der Digitalisierung sein. Insbesondere die Effizienzsteigerung für relevante Prozessteile in Form von einer langfristigen Kooperation mit PropTechs durch Förderung und Pilotprojekte sind attraktiv und vielversprechend.

Interesse geweckt? Accelerator Programm

Der Europäische Markt

Laut unseren eigenen Erhebungen wirken derzeit circa 417 PropTechs in Deutschland aktiv an der Veränderung der Branche mit. Das ist gut. Insbesondere, da wir uns branchenbezogen im europäischen Kernmarkt befinden. Europa als größter Binnenmarkt der Welt bietet großes Potenzial, um Synergien zu erkennen und Kooperationen einzugehen. Denn ein großes Problem in Europa ist das Konkurrenzdenken der verschiedenen Unternehmen mit gleichem oder ähnlichen Geschäftsmodell in anderen Ländern. Die europäische PropTech Szene beginnt jedoch die Grenzen aufzuheben. In Zusammenarbeit mit Robin Rivaton (Gründer von Real Estech France) veranstaltete blackprint letztes Jahr im Rahmen der MIPIM PropTech Summit das erste Franco-German Real Estate Tech Event.

Welches dann im September auf Berliner Boden wiederholt wurde. Auch das Fazit der diesjährigen MIPIM zeigt, dass die Bereitschaft länderübergreifend zusammenzuarbeiten deutlich gewachsen ist. Zum einen, weil die nationalen PropTech-Branchen aktuell relativ fragmentiert sind und bei etablierten Unternehmen angesichts der zahlreichen Einzellösungen noch immer Unsicherheit herrscht. Durch eine europaweit engere Zusammenarbeit der PropTechs ließen sich geografische Insellösungen vermeiden und mehr Klarheit für potenzielle Kunden schaffen. Zum anderen stärkt die Zusammenarbeit den PropTech-Standort Europa insgesamt, der dadurch im globalen Wettbewerb umso attraktiver wird.

Kooperation von Exquance & KATE Innovations

Die Relevanz der PropTech-Zusammenarbeit zeigen auch spannende Beispiele wie die Kooperation zwischen dem finnischen Finanzportfolio-Manager Exquance und IT solution Unternehmen Kate Innovations. Das Ziel des neuen Unternehmens KATE-XQ ist es „die ultimative next Generation“ Bewertungsplattform zu schaffen und somit die Stärken der beiden PropTechs zu verknüpfen. Beide Unternehmen profitieren neben der inhaltlichen Expertise auch von der Standort-Expansion, die damit einhergeht. Exquance besetzt nämlich neben ihren Heimatländern Finland und Russland, durch die Teilnahme bei blackprint ebenfalls Deutschland. KATE Innovations sitzt in den Niederlanden, womit vier wirtschaftsstarke Länder abgedeckt sind. Die beiden PropTechs haben sich durch das Netzwerk Holland ConTech & PropTech kennen gelernt. CEO Wouter Truffino: „In der kommenden Zeit wird sich der PropTech-Markt konsolidieren. Es ist wunderbar zu sehen, dass durch unser Netzwerk Parteien mit der gleichen DNA zusammenarbeiten und ihre Ambitionen verfolgen können.“

Dieses Beispiel zeigt die Notwendigkeit über deutsche Ländergrenzen hinweg zu schauen. Insbesondere in den Benelux-Staaten, Skandinavien oder den nordost-europäischen Ländern, aber auch digitale Hotspots in Portugal oder Spanien finden sich disruptive PropTech-Ideen, die in ihren eigenen Märkten nicht (ausreichend) wachsen können. Genau das was der deutsche Immobilienmarkt bieten kann.

„Auf der MIPIM hat sich im Gespräch mit führenden PropTech-Experten gezeigt, dass die Bereitschaft, länderübergreifend zusammenzuarbeiten, deutlich gewachsen ist. Das ist gut und auch notwendig. Zum einen, weil die nationalen PropTech-Branchen aktuell relativ fragmentiert sind und bei etablierten Unternehmen angesichts der zahlreichen Einzellösungen noch immer Unsicherheit herrscht. Durch eine europaweit engere Zusammenarbeit der PropTechs ließen sich geografische Insellösungen vermeiden und mehr Klarheit für potenzielle Kunden schaffen. Zum anderen stärkt die Zusammenarbeit den PropTech-Standort Europa insgesamt, der dadurch im globalen Wettbewerb umso attraktiver wird.“

- Alexander Ubach-Utermöhl | Managing Director

Über den großen Teich

Doch um die Qualität und Sprengkraft vieler Ideen wissend, haben insbesondere amerikanische Scouts begonnen, gezielt europäische PropTechs „über den Teich wegzuholen“ und diese auf dem eigenen Kontinent groß zu machen. Dabei haben wir, als europäischer Kernmarkt, das Potential, diese Ideen für die Immobilienwirtschaft zu fördern und nutzbar zu machen. Andere Branchen haben es gezeigt: es sind nicht (nur) die bekannten Player, die im Zuge der Digitalisierung den Wettbewerb verschärfen. Es sind insbesondere innovative Unternehmen aus bisher völlig fernen Standorten, denen die Expansion gelingt. Oder auch vermeintlich völlig fernen Branchen, die disruptive Veränderungen bringen.

Die digitale Wende

Während 2007 Apple von den CEOs von Microsoft und Nokia noch als chancenlos und Nischenprodukt bezeichnet wurde, war es für Banken bis vor kurzem unglaublich, dass Amazon mehr ist als ein Marktplatz (Siehe diese Grafik mit dem Titel: „Death by a thousand Cuts„). Fassungslosigkeit machte sich bei den Mitbewerbern aus der klassischen Immobilienbranche breit, als sie im kanadischen Toronto die Ausschreibung eines neuen Stadtteilviertels gegen eine Google Tochter verloren (Sidewalk Labs).

Und während ein international tätiger, deutscher Wandverkleidungsmaterialproduzent gerade noch auf seiner Hauptversammlung davon berichtet, dass trotz Expansion der Gewinn stagniert und der Umsatz klein einstellig gewachsen sei, während gleichzeitig propagiert wurde, dass es das Unternehmen „in 100 Jahren“ noch geben wird, sind 3D-Druckeranbieter auf dem Vormarsch. Während Bau- und Produktionskosten immer weiter steigen und neue Projekte preislich und zeitlich unkalkulierbar machen, hält offsite-Produktion, modulare Bauweise oder gar die komplette Produktion eines Hauses in wenigen Stunden aus dem 3D-Drucker Einzug in die Realität. Nicht im fernen Asien, sondern direkt in Frankreich um die Ecke. Und während Kosteneffizienz, Einsparung beim Baumüll und die zeitliche Komponente ohnehin schon die Produktion der letzten 50 Jahre mehr als in Frage stellt, sind diese Immobilien auch noch in der Lage witterungstechnischen Bedingungen wie auf dem Mars standzuhalten. Erstaunlich, wer in Anbetracht dieser positiven Disruption sein Geschäftsmodell weiterhin unverändert darauf baut, dass weiter Jahrzehnte in Handarbeit auf Baustellen Platten an Profile gedübelt, verspachtelt, getrocknet, verspachtelt, getrocknet und nochmal verspachtelt wird, bevor die nächsten manuellen Arbeiten die Veredelung vornehmen.

Über den nationalen Tellerrand hinaus?

Amazons Strategie ist nicht abwarten, bis seine Smart-Home-Produkte vielleicht den Weg zum Kunden finden. Naheliegend, die Bauproduktion aufzuwirbeln und direkt den Fuß in die Tür zu bekommen. Egal, was das für etablierte Unternehmen bedeutet. Die Benchmarks und Erkenntnisse aus anderen Branchen liegen vor. Die Immobilienbranche kann daraus lernen und sich selbst und Ihre Unternehmen für die Zukunft wappnen. Dies hat viel mit Veränderungsbereitschaft und Visionskraft zu tun. Dies hat insbesondere etwas mit dem Aufbrechen von althergebrachten Gedankenmustern zu tun. Mit über den Tellerrand schauen. Insbesondere den nationalen.

Aus europäischer Sicht gilt es, die Potentiale auf dem eigenen Kontinent zu identifizieren, gezielt zu fördern, den PropTechs die relevanten Marktzugänge zu besorgen, die sie brauchen, um effizient, schnell und nachhaltig zu wachsen. Es kann nicht sein, dass wir als Wirtschaftsstandort Europa uns weiter schwächen durch weiteres gegeneinander. Und erst recht nicht, dass uns unsere eigenen digitalen Geschäftsmodelle demnächst aus Amerika für teures Geld zum Einkauf angeboten werden.

Europa als treibende Kraft!

Als europäischer Digitalisierungs-Hub für die Immobilienwirtschaft mit Fokusmarkt Deutschland tragen wir unseren Teil dazu bei, dass europäische Geschäftsmodelle ihr Wachstum auch in Europa verwirklichen können. Frankfurt’s exzellente Lage im Herzen von Europa ist standorttechnisch bestens gelegen, um von hier aus den deutschen Markt für europäische Geschäftsmodelle & PropTech-Expansionen zu erschließen. Aus allen Himmelsrichtungen verknüpfen wir PropTechs, Corporates, Branchenvertreter, Investoren und Influencer quer durch Europa und sorgen so gemeinsam dafür, dass die digitale Transformation über den Immobilienlebenszyklus hinweg aktiv gestaltet wird und Europa als Standort wirtschaftlich Stärke gewinnt.

Wir rufen alle Beteiligten dazu auf – etablierte Unternehmen, PropTechs, Investoren – die Grundgedanken von Digitalisierung: Freiheit, Transparenz, Dynamik und Grenzenlosigkeit zum europäischen PropTech-Einigungsgedanken zu machen.

Booster Inside
Januar 31, 2020

Der Aufstieg von PropTech & der Ausblick in goldene 2020er

Quelle blackprint Booster GmbH 2020 Das endende Jahrzehnt der 2010er brachte endlich auch der Immobilienbranche die Digitalisierung. Über alle Asset Klassen von Residential, Office, Retail, Logistik und weiter. Über alle…
Booster Inside
Oktober 24, 2019

BIM-Level! Alle Stufen leicht und verständlich erklärt

BIM gewinnt stetig an Popularität hinzu und dennoch ist dieses BIM für viele nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Die BIM-Level sind hierbei der erste, entscheidende Schritt, um…
Booster Inside
Oktober 10, 2019

5 Learnings für PropTechs zur EXPO REAL

Noch immer ist die EXPO REAL die wichtigste Deutsche bzw. Europäische Messe für Immobilien und Investitionen. Auf den ersten Blick also genau der richtige Ort für PropTechs, um mit der…
Booster Inside
September 26, 2019

Es gibt viel zu lernen – packen wir es an!

Es gibt viel zu lernen – packen wir es an! Wenn etablierte Unternehmen und Start-ups zusammenarbeiten, muss das nicht immer von Erfolg gekrönt sein. Beide Seiten bringen unterschiedliche Fähigkeiten und…
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