BIM-Level – alle Stufen leicht verständlich erklärt

By 14.11.2019 Juni 30th, 2020 Booster Inside

BIM gewinnt stetig an Popularität hinzu und dennoch ist dieses BIM für viele nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Die BIM-Level sind hierbei der erste, entscheidende Schritt, um sich in der BIM-Welt zurechtzufinden.

BIM Level 0
Diese Stufe ist laut der Definition und Verständnis von BIM kein tatsächliches BIM. Es gibt kein 3D-Element, sondern nur 2D-CAD-Zeichnungen, die hauptsächlich für Produktionsinformationen verwendet werden. Es existieren auf dieser Ebene keine Komponenten, keine Attribute oder Standards. Informationen und Ausgaben werden in der einfachsten Form wie Papier oder elektronischem Druck geliefert. Diese Stufe zählt seit den 90iger Jahren als die erste Stufe der Digitalisierung der Planung, indem CAD Software anstatt Papier und Bleistift verwendet wird. Daher ist es ratsam eine Planung in 2D und das gesamte BIM Level 0, nicht als richtiges, sondern als Pseudo-BIM zu verstehen. Es ist die Vorstufe, der Einstieg in die Digitale Welt für Architekten und Ingenieure.

BIM Level 1
Diese Stufe ist die Mindestvoraussetzung, damit eine BIM-konforme Planung erzeugt werden kann. In dieser Stufe besteht die Planung aus 3D Modellen, die vom Modellierer in einem entsprechenden 3D-baiserten Programm wie Revit, ArchiCAD oder Allplan erzeugt werden. Diese werden mit allen notwendigen Attributen gefüllt und als digitale Modelle gespeichert. Daraus gibt es die Möglichkeit, 2D Pläne und Daten automatisiert zu extrahieren, welche für die Konzeption und Erstellung von Dokumentationen und Produktionsinformationen verwendet werden. Der elektronische Datenaustausch erfolgt in einer gemeinsamen Datenumgebung (CDE) – ein Dokumenten-Management-System, das häufig vom Auftragnehmer verwaltet wird. Die meisten Organisationen in Deutschland sind derzeit auf diesem Level tätig.

BIM Level 2
Diese Stufe geht über das Arbeiten mit Dokumenten und 2D Plänen hinaus. Sie umfasst die vollständige digitale und strukturierte Zusammenarbeit bei der alle Beteiligten am Projekt – also alle Fachplaner bestehend aus Architektur, TGA, Statik etc. – ihre eigenen 3D-CAD-Modelle verwenden, jedoch nicht unbedingt an einem einzelnen, gemeinsam genutzten Modell arbeiten. Die Zusammenarbeit erfolgt in Form des modellbasierten Informationsaustausches zwischen verschiedenen Parteien. Dies ist der entscheidende Aspekt dieser Stufe.

Auf dieser Ebene gibt es zwei neue Dimensionen:
· 4D – Zeitmanagement (hier werden die Baukomponenten mit dem Projektzeitplan verknüpft)
· 5D – verbunden mit der Berechnung des Budgets – es existiert die Möglichkeit automatisiert die Mengen- und Massenexports laut DIN276 mit dem Leistungsverzeichnis aus dem AVA-System zu verknüpfen und somit Kosten automatisch zu berechnen

Konstruktionsinformationen werden über ein gemeinsames Dateiformat ausgetauscht, welches jeder Organisation ermöglicht, diese Daten mit ihren eigenen zu kombinieren, um ein BIM-Koordinationsmodell zu erstellen und es abzufragen. Daher muss jede CAD-Software in das BIM-basierte Dateiformat IFC (Industry Foundation Class) exportieren und dieses auch importieren können. In dem BIM-Koordinationsmodell können nun automatisch Kollisionen und Plausibilitätsüberprüfungen durchgeführt werden (z. B. mithilfe des Solibri Model Checkers) und die gefundenen Probleme in einem BCF-Format (BIM Collaboration Format) gespeichert werden, welches die gefundenen Kollisionen mit den Komponenten aus IFC verknüpft und den Informationsaustausch zentralisiert.
Dies ist die Arbeitsmethode, die von der britischen Regierung als Mindestziel für alle Arbeiten im öffentlichen Sektor bis 2016 festgelegt wurde. In Deutschland ist diese BIM-Stufe noch nicht so verbreitet.

 

BIM Level 3
Diese Stufe wird derzeit als der heilige Gral angesehen, da diese noch nicht vollständig definiert ist. Die Idee dahinter besteht darin, dass das Modell eine vollständige Integration aller Disziplinen darstellt, indem ein einziges gemeinsames Projektmodell verwendet wird, das sich in einem zentralen Repository befindet (bspw. in einer cloud-basierten Umgebung (iBIM)). Dazu zählen alle Teilmodelle aus den einzelnen Fachabteilungen.
Alle Parteien können auf dasselbe Modell zugreifen und über die CAD-Software hinweg bearbeiten. Der Vorteil besteht darin, dass die letzte Risikoschicht für widersprüchliche Informationen entfernt wird. Dies wird als „open BIM“ bezeichnet: jeder teilt die Informationen in einem zentralen Modell über die offene IFC-Schnittstelle und es gibt für alle Projektbeteiligte einen eindeutigen SPOT (Single-Point of Truth). Die derzeitige Nervosität in der Branche in Bezug auf Themen wie Urheberrecht und Haftung soll noch in den nächsten Jahren gelöst werden und die HOAI dementsprechend geändert werden.

Open BIM
Der Begriff „Open BIM“ bezieht sich auf das gesamte Lebenszyklusmanagement, das auch als die 6. Dimension namens „6D Asset Life Cycle Management“ bezeichnet wird und sich auf das Management des Lebenszyklus eines Gebäudes konzentriert. So sollen die Planung, der Bau oder der Betrieb der Anlagen während ihres gesamten Lebenszyklus zentral mit dem 6D Modell verknüpft und zentralisiert werden. Mit Open BIM wird beabsichtigt, dass keine Gefahr von Ungenauigkeiten in den Daten oder Doppelarbeit entsteht und alle Informationen zentral abgerufen werden können – es entsteht ein digitaler Zwilling des Gebäudes zu jedem Zeitpunkt des Lebenszyklus.

Stand heute

Die meisten Unternehmen in Deutschland sind auf Stufe 1 oder sogar Stufe 0 tätig, da Deutschland nicht so schnell wie andere Länder wie Großbritannien eine verbindliche BIM-Verordnung erlassen hat. Obwohl auf dem deutschen Markt die richtige Technologie verfügbar ist, ist die Akzeptanz davon abhängig, wie gut sie verstanden wird. Es wird jedoch erwartet, dass die Einführung von BIM aufgrund deutscher Innovationen schnell und effizient vonstattengeht. Darüber hinaus sind viele große deutsche Auftragnehmer-Unternehmen grenzüberschreitend auf ausländischen Märkten tätig, um BIM-Know-how zu erwerben und nach Hause zu bringen.

Implementierung von BIM

Die Strategie der Implementierung von BIM sieht vor, dass man sich schrittweise die Stufen vorwärtsbewegt. Dabei bedingt die Stufe 1 die Nutzung und den Prozess auf Stufe 2. Auch die Einhaltung von Stufe 2 erleichtert den Übergang zu Stufe 3 erheblich. Open BIM ist ein Anspruch, der erreichbar ist und sich nach und nach in den nächsten Jahren zum Standard etablieren wird. Durch die Zusammenarbeit stehen die Vorteile von Nachhaltigkeit, finanziellen Einsparungen, intelligenten Städten und Effizienz allen zur Verfügung.

 

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Boris Goldshteyn

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