Innovation und Fortschritt braucht Rahmenbedingungen, die Neuerungen zulassen. Doch bisher war eine massentaugliche, preiseffiziente Fertigung wie im Automobilbereich oder ein einfacher, günstiger Einkaufsprozess wie im Discounter beim Neubau einer Immobilie fern ab der Realität. Dabei ist insbesondere der Baubereich einer der gravierendsten Kostenfaktoren im Immobilienlebenszyklus. Um hier grundlegende Verbesserung zu bringen, ist nicht der Ruf nach mehr Fachpersonal auf der Baustelle nachhaltig hilfreich. Die Veränderung der Wertschöpfungsketten allerdings schon. Off-side-Construction für Vorfertigung von Bauteilen beispielsweise für modular zusammenfügbare Bauteile sind dabei ein erheblicher Effizienzsteigerungsbringer.

Durch zentralisierbare Einkaufs-, Fertigungs- und Logistikprozesse sind vom Bäckereihandwerk bis zum Frisör bereits lange zuvor Wirtschaftszweige auf den Kopf gestellt worden.

Doch endlich profitiert auch unsere Branche von diesen Erkenntnissen: Nicht heimlich, aber ohne lautes Announcement erfolgte für den Baubereich bereits am 22. Februar 2019 das Setzen entscheidender Rahmenrichtlinien. Auf Beschluss der Bauministerkonferenz erfolgte die Aufnahme der Typengenehmigung in die Musterbauordnung (MBO). Dies ermöglicht die vereinfachte Zulassung seriell und modular errichteter Wohngebäude.
Der neue § 72a der MBO sieht vor, dass die Typengenehmigung auch für Gebäude erteilt werden könne, „die in unterschiedlicher Ausführung, aber nach einem bestimmten System und aus bestimmten Bauteilen an mehreren Stellen errichtet werden sollen.“

Damit können die nicht nur von Bauherren geforderten Einsparungen von Zeit, Geld und Nerven erreicht werden. Dies kann und wird sicher auch Antworten zur Forderung nach bezahlbarem Wohnraum durch kürzere Bauzeiten und neue Nachverdichtungsmöglichkeiten bringen.

 

Im Detail: Abkehr vom klassischen Bauen
Anders als herkömmlich verläuft die Vorfertigung auf Werksstraßen in Fabrikhallen, bei gleichbleibenden Bedingungen und strengen, dafür viel einfacher überwachbaren Qualitätskontrollen. Die Ausführung der Module ist sehr präzise, die Toleranzen sind deutlich kleiner als im klassischen Massivbau.
Hinter der Aufnahme der Typengenehmigung in die Musterbauordnung steckt das, was Verbände der Wohnungs- und Bauwirtschaft seit längerem forderten: ein vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren für Modulbauten.
Dies bringt nicht nur für das Bauen, auch das Planen neue Möglichkeiten, sofern Architekten willens sind, sich kreativ auf die entstandenen Chancen einzulassen. Während heute in der Regel aus einer städtebaulichen Situation heraus eine Immobilie in der Kubatur konzipiert wird und anschließend daraus Grundrisse geplant werden, beginnt der Prozess der Modulbauweise mit den für die Bewohner wichtigsten Elementen, nämlich durchdachten Grundrissen, aus denen sich dann eine Gebäudefigur entwickelt.
Dies erfordert eine neue Form der Kreatitvität auf Seiten der Planer. Und sicher auch eine gehörige Portion Willen, die neuen Möglichkeiten auszunutzen.
Das Chancenpotential dieser neuen Rahmenbedingungen kann aber auch im positiven eine Revolution auslösen, der hoffentlich viele Hände zum Erfolg verhelfen.

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