Kommentar von
Convaron-Gründer Tim Meger-Guingamp

Es gibt viel zu lernen – packen wir es an!

Wenn etablierte Unternehmen und Start-ups zusammenarbeiten, muss das nicht immer von Erfolg gekrönt sein. Beide Seiten bringen unterschiedliche Fähigkeiten und Ansprüche mit. Dass diese nicht immer zusammenpassen und wie Partnerschaften gelingen können, thematisierte Jeremy Basset, CEO der Innovationsagentur Co:cubed in London, in einem Beitrag auf dem britischen Start-up-News-Portal Sifted.eu.

Es stehen sich zwei gegensätzliche Parteien gegenüber: Auf der einen Seite die jungen Innovatoren, die sich unbedingt behaupten wollen, auf der anderen Seite die zögerlichen Etablierten, von deren Gunst so manches abhängt. Angefangen von der Zahlungsmoral bis hin zum persönlichen Umgang, mit denen Unternehmen ihren Start-up-Partnern begegnen. Meine Erfahrungen decken sich teilweise mit den Darstellungen im Artikel. Aber was sind die Gründe dafür, dass Spannungen zwischen Etablierten und Start-ups entstehen? Zum einen mag es an der für Deutschland typischen Risikoaversion liegen. Unsere Ingenieurleistungen sind weltweit bekannt. Sie sind der Grund, weshalb wir nicht nur einen gesunden Mittelstand als Motor unserer Wirtschaft, sondern auch viele Hidden Champions aufweisen können, deren Leistungen auf der ganzen Welt gefragt sind.

Der uns eigene ingenieurshafte Anspruch an Perfektion kann aber auch zum Fallstrick werden. Erst, wenn etwas richtig gut ist, darf man sich damit an die Öffentlichkeit trauen, sonst riskiert man ein Scheitern und damit den Gesichtsverlust. Das Prinzip der Beta-Version, bei der man zunächst einen Prototyp lanciert und das Feedback von ausgesuchten Nutzern einholt, ist bisher den Software-Unternehmen vorbehalten. Dabei ist diese Vorgehensweise genau richtig, um Innovationen auf den Markt zu bringen. Zugegeben, das eignet sich nicht für alle Bereiche. Denken wir nur an die aktuellen Beispiele des autonomen Fahrens. Sobald es um Sicherheit geht, ist Perfektion das richtungsweisende Kriterium. Aber das sind Extreme, die sich nicht auf jede Anwendung übertragen lassen.

Was ich mir wünsche, ist mehr Unterstützung von den großen Schlachtschiffen für die kleinen, mutigen Pioniere. Wie kann diese Unterstützung aussehen? Viele werden vermutlich an monetären Support denken. Dabei haben die Etablierten viel mehr zu bieten: Branchenwissen, Kontakte, aber auch Mentoring kann in manchem Start-up das Element sein, das nur Etablierte einbringen können. Start-ups dagegen punkten mit ihrer Unvoreingenommenheit und Risikobereitschaft und nicht zuletzt mit dem spezifischen Fachwissen, das gerade Technikangebote erfordern, und das in etablierten Unternehmen neben dem anspruchsvollen Tagesgeschäft nicht entwickelt werden kann. Der frische Blick auf vorhandenen Themen – das ist die Stärke der Start-ups.

Beide Seiten müssen sich in ihrer Andersartigkeit respektieren, wenn sie voneinander profitieren wollen. Dann reifen innerhalb weniger Jahre Start-ups zu stabilen Mittelständlern heran und der Branchenriese innoviert sich zum zukunftsfähigen Unternehmen. Es gibt viel zu lernen, und zwar für beide Seiten – packen wir es an!

Further Readings:

blackprint Booster COO Sarah Schlesinger hat einen Blogbeitrag geschrieben –  Titel „11 Gründe warum Investments von strategischen Investoren gefährlich werden können“

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