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REAL PropTech Pitches 2021: Vorstellung der PropTech Germany Studie 2021

Die PropTech Germany Studie hält der Branche den Spiegel vor

Im Rahmen der REAL PropTech Pitches 2021 wurde am 04. März die PropTech Germany Studie 2021 vorgestellt. Die Erhebung wurde von der TH Aschaffenburgbrickalize und blackprint gemeinsam durchgeführt. Neben Verena Rock, Sarah Schlesinger und Philipp Liebold im Kernteam war auch Nadine Brehm, eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der TH Aschaffenburg, an der Durchführung beteiligt. Die Studie liefert ein fundiertes Verständnis für die Herausforderungen, denen PropTechs in früher Phase, beim Wachstum oder in der Expansion begegnen, sowie zu Hürden im Markt oder relevanten Entscheidern und Influencern auf Seiten des Establishments. Sie bietet wertvolle und dringend notwendige Einsichten, um Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft voranzutreiben.

Die vollständige Studie gibt’s hier – der Download ist kostenlos.

Den vollständigen Vortrag als Video gibt’s hier.

Am 04. März 2021 war es so weit: Sarah Schlesinger von blackprint, Verena Rock von der TH Aschaffenburg und Philipp Liebold von brickalize durften dem Publikum der REAL PropTech Pitches die Erkenntnisse der PropTech Germany 2021 Studie präsentieren – nach der wochenlangen, 100% virtuellen intensiven Zusammenarbeit des Teams nicht ganz ohne Stolz.

Bereits bei der REAL PropTech im September 2020 haben die Partner die Ergebnisse einer ersten qualitativen Studie vorgestellt. Aufbauend auf der Vorstudie wurde die Erhebung nun um einen quantitativen Teil ergänzt und mit deutlich mehr PropTechs untermauert.

Key Facts

„Wir haben sehr viele Daten erhoben und diese auf 50 Seiten zusammengefasst. Die Studie zeigt, dass Plattformen nach wie vor die dominierende Technologie für PropTechs sind. Unsere 185 PropTechs, die an der Studie teilgenommen haben, haben ein Durchschnittsalter von vier Jahren, was die Aktivität der letzten 5 oder 6 Jahre im PropTech Markt in Deutschland gut abbildet“, fasst Verena Rock die Eckdaten der PropTechs zusammen.

Von den 897 angeschriebenen PropTechs haben 185 geantwortet; es wurde somit eine Rücklaufquote von 20 % erzielt. Die PropTechs bedienen im Durchschnitt 4,3 Assetklassen, also Nutzungsarten; sie wurden in drei Cluster unterteilt: Grown Ups, Early Stager und Conquerer. Die größte Gruppe stellten die Grown Ups dar, also diejenigen, die im Jahr 2017 oder davor gegründet wurden. Mit Early Stager sind diejenigen gemeint, die noch relativ neu am Markt sind, mit Gründungsjahr 2020 oder auch bis zu zwei Jahre davor und einem noch nicht gelaunchten bzw. sich im Betrieb befindlichen Produkt. Die Gruppe der Conquerer besteht aus 42 PropTechs mit Sitz im Ausland. Hier ging es dem Team vor allem darum, herauszufinden, wo die wesentlichen Markteintrittsbarrieren liegen ­– gerade für PropTechs, die aus anderen Ländern versuchen, in der deutschen Bau- und Immobilienwirtschaft einzusteigen.

Fragen & Schwerpunkte

In der ersten PropTech Germany Studie 2020 wurden neun Tiefeninterviews mit verschiedenen PropTechs geführt, die auch schon den drei Kategorien Grown Ups, Early Stager und Conquerer zugeordnet waren. Diese Studie wurde als Basis genutzt, um Hypothesen für die jetzige Studie zu bilden. Diese Hypothesen können durch die quantitative Studie nun empirisch untermauert werden.

Das Team widmete sich in der Studie beispielsweise den folgenden Fragestellungen: Wo stehen PropTechs im Immobilienlebenszyklus? Wo setzen sie bei der Digitalisierung an? Wie schätzen sie selbst die Marktsituation ein? Was zeigt das Stimmungsbarometer mit und ohne Corona an? Was sind die großen Herausforderungen und Hürden der PropTechs, wenn sie mit ihren Produkten in der etablierten Immobilienwirtschaft ankommen möchten? Was tun die PropTechs jetzt schon in Bezug auf Kooperationen? Wie arbeiten sie zusammen und gehen sie vielleicht auch schon strategische Partnerschaften mit dem Establishment ein?

Lebenszyklusphasen & Assetklassen

 „Es ist wichtig, die PropTechs in den Markt einzuordnen. Dazu gehört auch ganz klar zu schauen, inwiefern PropTechs und deren Lösungen schon heute zu unterschiedlichen Immobilienlebenszyklusphasen und auch Assetklassen gehören. Eine spannende Erkenntnis: Der Bereich Betreiben dominiert, wenn es um die Frage geht, in welchen Bereichen PropTechs heute tätig sind“, erklärt Sarah Schlesinger, CEO von blackprint.

Auch bei den teilnehmenden PropTechs der REAL PropTech Pitches zeigt sich, dass dieser Bereich sehr dominant und breit belegt ist. Es wird allerdings auch deutlich, dass über die Hälfte der Lösungsanbieter angibt, im Bereich Vermarkten tätig zu sein. Eine Erklärung liefert der Blick in die Historie: Als der Begriff „PropTech“ im deutschen Markt 2016 gerade erst aufkam, waren dort vor allem Lösungen aus diesem Bereich vertreten. Allerdings lassen sich heute auch bereits 47 % der Phase Projektentwicklung oder Future City zuordnen. Auch im Bereich zukunftsfähige Konzepte sind also schon sehr viele Unternehmen aktiv.

PropTechs sind in der Regel nicht einer Lebenszyklusphase zugeordnet, sondern im Schnitt 3,2. Die tradierten Grenzen, die heute noch in den Prozessen der Branche vorhanden sind, gelten für PropTechs offenbar nur noch bedingt. Sie scheinen bestehende Strukturen aufzubrechen, womöglich gar aufbrechen zu müssen, um mit ihren Lösungen zu punkten.

Nur ein Fünftel der PropTechs ordnet sein Angebot ausschließlich einer Lebensphase zu. Besonders spektakulär daran: Bei über 50 % der Angaben handelt es sich um Early Stager. Mit anderen Worten bedeutet das: Diejenigen PropTechs, die sich in einem frühen Entwicklungsstadium befinden, fokussieren sich noch. Je weiter ein Unternehmen jedoch heranreift, desto breiter ist es aufgestellt. Bei den Assetklassen liegt derzeit noch der Schwerpunkt auf dem Bereich Wohnen. Aber auch hier ist ein Großteil der Unternehmen nicht auf eine Assetklasse beschränkt, sondern deckt im Schnitt mehr als 4 Assetklassen ab.

Stimmungsbarometer

„In der Studie widmen wir uns auch dem Thema Stimmungsbarometer: Wie schätzen die PropTechs die aktuelle und auch zukünftige Marktsituation ein und welche Auswirkungen hat Corona?“, formuliert Philipp Liebold die Kernfragestellung. Die überwiegende Mehrheit der PropTechs schätzt die Situation aktuell oder für das vergangene Jahr sehr positiv ein, für die Folgejahre noch besser. Knapp 71 % der PropTechs haben im letzten Jahr mehr Neugeschäft verzeichnet. Auf die Zukunft bezogen gehen insgesamt 94 % davon aus, mehr Neugeschäft zu haben, 52 % erwarten sogar merklich mehr Neugeschäft.

Die Marktsituation im letzten Jahr wird also sehr positiv eingeschätzt und die Vorzeichen noch besser.

Die deutliche Mehrheit der PropTechs gab sogar an, eine Zunahme des Geschäfts durch Corona verzeichnet zu haben und das auch für die Zukunft zu erwarten. Rund 30 % der PropTechs geben an, aufgrund der Pandemie Einbußen erlitten zu haben. Die Vorzeichen für die Zukunft sehen jedoch deutlich positiver aus. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Digitalisierung der Branche durch Corona einen Schub erhält und dass sich nun auch das Establishment zwangsläufig damit befassen muss.

Hürden für PropTechs

Die Hürden für PropTechs wurden in drei Phasen unterteilt: Markteintritt, Verkauf des Produkts

und Implementierung der Lösung. Die PropTechs wurden befragt, in welchem Bereich sie die größten Hürden sehen. Eindeutig zu erkennen: Die größten Herausforderungen liegen im Verkauf. Beim

Markteintritt geben fast 84 % an, dass Entscheidungsstrukturen beim Establishment – also bei den Immobilienunternehmen – aus Sicht der PropTechs die größte Hürde darstellen.

Es gibt aber auch eine ganze Menge weiterer Hürden, beispielsweise zu wenig Druck zur

Digitalisierung in der Immobilienbranche. Corona wird voraussichtlich zu einer Verbesserung dieser Situation beitragen. Im Bereich des Verkaufs ist vor allem die geringe Risikobereitschaft der etablierten Unternehmen aus Sicht der PropTechs eine große Hürde.

Unternehmen sind häufig (noch) nicht bereit, neue Wege zu gehen, indem sie PropTech Lösungen einzusetzen, weil etwa die Benefits für sie noch nicht klar auf der Hand liegen. Bei der Implementierung hingegen sind wenige Überraschungen zu erwarten. Hier konnte mangelnde Priorität beim Kunden als größte Hürde ausgemacht werden. Andere Faktoren wie fehlende Infrastruktur oder Budgetprobleme scheinen jedoch nicht im Vordergrund zu stehen. PropTechs, die die Hürde des Verkaufens genommen haben, sehen sich anschließend also offenbar nur noch moderaten Problemen ausgesetzt, wobei fehlende Priorisierung durchaus schwerwiegend ist.

Kooperationen von PropTechs

Neben Herausforderungen und Hürden wurden in der PropTech Germany Studie 2021 auch Kooperationen von PropTechs untersucht. 72 % der PropTechs geben an, bereits mit anderen zusammenzuarbeiten. Mit steigendem Reifegrad eines PropTechs nimmt die Bereitschaft zur Kooperation zu. Während lediglich 39 % der Early Stager mit anderen PropTechs kooperieren, weil der Fokus hier noch auf der Produktentwicklung und dem Markteintritt liegt, kooperieren bei den Grown Ups schon 56,1 %. Spitzenreiter in diesem Bereich sind die Conquerer mit 64,3 %. Für sie geht es vor allem darum, durch Kooperationen den Markt besser adressieren und richtig auftreten zu können.

Der Blick in die Zukunft zeigt, dass der Stellenwert von Kooperationen noch weiter zunehmen wird. Die Priorität in dieser Hinsicht ist hoch, und zwar bei allen Gruppen. Treiber für Kooperationen zwischen PropTechs sind eine höhere Anzahl an Aufträgen bzw. Umsatzerwartungen, ein breiteres Netzwerk zu erhalten, Zugänge zu richtigen Ansprechpartnern zu bekommen und eine breitere Zielgruppe zu erreichen. Die Steigerung der eigenen Reputation oder auch der Transfer von Know-how spielen eher untergeordnet eine Rolle. Weniger bedeutungsvolle Faktoren sind das Ausschalten von Wettbewerbern und interne Kosteneinsparungen – Beweggründe, die im Ranking eher abgeschlagen sind.

Bei den Arten der Kooperationen geht es vor allem um technische Kooperationen und das Gewinnen von Synergieeffekten. Es gibt jedoch nicht nur die Kooperationen zwischen PropTech und PropTech, sondern auch zwischen PropTech und Establishment. Eine erfreuliche Botschaft: Trotz der bereits angesprochenen Hürden bescheinigen die PropTechs dem Establishment eine große Kooperationsbereitschaft. Bereits jedes zweite PropTech hat eine solche Kooperation. Die Treiber dafür sind das Gewinnen neuer Absatzkanäle, die Entwicklung neuer Produkte, ein besseres Markt-  und Branchen-Know-how durch den wechselseitigen Austausch, der Zugang zu Expertenwissen, die Entwicklung  gemeinsamer Geschäftsmodelle oder auch Funding.

Influencer

Aber wer ist eigentlich auf Seiten des Establishments für diese Kooperationen zuständig? Und wer ist relevant für das Zustandekommen jedweder Auftrags- bzw. Vertragsbeziehung zwischen Establishment und PropTechs? Dazu wurden zwei Schlüsselrollen untersucht: Wer sind die relevanten Entscheider und wer sind die Influencer, die auf eine Kooperation hinwirken oder darauf, dass ein Auftraggeber-Dienstleister-Verhältnis zustande kommt? Höchst spannend ist die Erkenntnis, dass dabei die operativ in Fachabteilung tätigen Mitarbeitern eine sehr dominante Stellung einnehmen. Das gilt sowohl für den Bereich des Influencings als auch für die Entscheidung. Dabei ist der CEO zwar klar führend. Die operative Fachabteilung, gemeinsam mit deren budgetverantwortlichen Führungskräften, ist jedoch in der Relevanz höher angesiedelt als der CEO.

Daraus ergeben sich zwei Erkenntnisse: Zum einen ist die IT-Abteilung nahezu abgeschlagen und spielt praktisch gar keine Rolle. Zum anderen hat die Rolle des CDOs – gemessen an der Einschätzung der PropTechs, die im deutschen Markt tätig sind – noch nicht die Relevanz, die in der Vorstudie ermittelt wurde oder die sie international bereits hat. Dies zeigt sich auch bei der Bewertung der Conquerer, die die Relevanz des CDOs deutlich höher einschätzen.

Fazit

PropTechs befinden sich in sehr unterschiedlichen Entwicklungsstadien: Während einige erst letztes Jahr gegründet wurden, aber bereits mit voller Euphorie in den deutschen Markt eingetreten sind, ordnen sich Teilnehmer der Studie auch mit Gründungsjahr 2003 noch der Kategorie PropTech zu.

Die PropTech Germany Studie 2021 bedient alle Assetklassen und Lebenszyklusphasen mit ganz unterschiedlichen Arten von Produkten, Technologien und Umsatzkennwerten. Die wesentlichen Hürden sind Entscheidungsstrukturen im Establishment, Prioritäten beim Kunden und – zusammengefasst – Risiko-Vertrauens-Abwägungen. Hier spielen also viele Soft Facts eine große Rolle und gar nicht so sehr – wie die Vorstudie vermuten ließ – die Hard Facts wie etwa fehlende Daten.

Bei den Herausforderungen, die PropTechs im deutschen Immobilienmarkt sehen, wurde in der ersten Studie der Zugang zu und die Auswertung von Daten als wesentliche Hürde genannt. Dieses Thema spielt jetzt scheinbar keine sehr große Rolle mehr. Was die Markteinschätzung und die Stimmung betrifft, scheint es ein deutlich positives Momentum der deutschen PropTech-Szene zu geben. Viele gehen davon aus, dass sich Corona positiv auf die Marktsituation auswirken wird – im Sinne eines Digitalisierungsschubs für die Immobilienbranche.

Was den Markteintritt betrifft, finden verstärkt Kooperationen statt. Vor allem unter den Conquerern, aber auch unter den nationalen PropTechs. Und zwar sowohl vertikal mit dem Establishment als auch horizontal untereinander, wobei dem Gedanken eines größeren gemeinsamen Ökosystems Rechnung getragen wird. Was das Thema Influencer und Entscheider betrifft, lässt sich festhalten: Wenn der CDO auch im deutschen Immobilienmarkt mehr Entscheidungskompetenz erhält, wird es möglich sein, dass die Immobilienbranche eine stärkere Dissemination von der strategischen Ebene auf die operative Ebene erreicht, was die Entscheidung für und die Implementierung von PropTech-Lösungen betrifft.

Ausblick

Das Team aus blackprint, brickalize und der TH Aschaffenburg ist mit der PropTech Germany Studie noch nicht am Ziel: Ab dem zweiten Quartal 2021 ist die Befragung des Establishments geplant. Diese wird flankiert mit einem Projekt der Hochschule Aschaffenburg, bei dem Studenten das Establishment im Spiegelbild dieser Studie befragen. Damit die Daten der PropTech Germany Studie 2021 nicht einfach in der Schublade landen, soll diese jährlich wiederholt werden, um eine Zeitreihe aufzubauen. Außerdem startet kurzfristig eine Roadshow, im Rahmen derer die Studie bei verschiedenen Immobilienverbänden und -Veranstaltungen im Laufe dieses und des nächsten Quartals vorgestellt wird.


Über blackprint

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