Warum die Bau- und Immobilienwirtschaft 2030 anders sein wird by blackprint Booster GmbH

Die 17 Ziele der UN-Nachhaltigkeitsagenda 2030 & ihre Bedeutung für unsere Branche

Die Zeit der Veränderungen ist gekommen. Die Bau- und Immobilienwirtschaft wird in 10 Jahren nicht mehr die Gleiche sein.

Die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN-Agenda 2030, die Sustainable Development Goals (SDGs), sind Leitlinie und Aufforderung an Regierungen weltweit, an Zivilgesellschaft, Unternehmen und Wissenschaft, einen Beitrag gegen Armut auf der Welt, zum Schutz bzw. für den Erhalt eines lebenswerten Planeten bzw. zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen, gleich wo und wie, zu leisten.

Im September 2015 wurden auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York die 17 „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. Die UN-Agenda 2030 gilt seitdem als weltweit wichtigster, Orientierung bietender Fahrplan für die Zukunft. Mit den 17 darin formulierten Zielen und 169 konkretisierten Unterzielen will die Weltgemeinschaft weltweit ein menschenwürdiges Leben ermöglichen und dabei gleichsam die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft bewahren.

Dies umfasst drei Dimensionen, konkret ökonomische, ökologische und soziale Aspekte.

 

2020 – Das Kick Off Jahr für unsere Branche

 

Der September 2020 ist der 5. Geburtstag der UN-Nachhaltigkeitsagenda. Auch das ist Anlass für uns, dass wir die 17 Ziele, ihre Bedeutung, Konsequenzen und Chancen als Rahmen für die wichtigste Fachkonferenz für Digitalisierung, Innovation und Nachhaltigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft ausgesucht haben. Die REAL PropTech widmet sich im vierten Jahr der Zukunftsfähigkeit unserer Branche.

Ein weitere Jubiläum fällt in den September 2020. Der UN Global Compact (UNGC) und das Deutsche Global Compact Netzwerk (DGCN) feiern in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Initiiert im Jahr 2000 durch den früheren Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, entstand diese weltweite Initiative für nachhaltige Unternehmensführung. Auf Grundlage 10 universeller Prinzipien und den 17 Nachhaltigkeits-Zielen wird die Vision einer inklusiven und nachhaltigen Weltwirtschaft verfolgt. Zur Zielerreichung spielt die Wirtschaft aufgrund ihrer Investitions- und Innovationskraft eine zentrale Rolle. Der Aufruf dieses Netzwerks fordert auch unsere Branche auf zu einem Jahrzehnt nachhaltigen Wirtschaftens und transformativen Handels, der „Decade of Action“.

Grundsätzlich entsprechen die 17 Nachhaltigkeitsziele bzw. die 10 universellen Prinzipien, die diesen zugrunde liegen, unseren Wertvorstellungen bei blackprint. Wir halten diese für einen wichtigen, entscheidenden Rahmen für die Entwicklung und Zukunftsfähigkeit unserer Branchenunternehmen, der gebauten Welt, des Immobilien-Lebenszykluses, der verschiedenen Asset Klassen. Und wir nehmen den Aufruf Verantwortung  zu übernehmen ernst. Die propagierte „Dekade des Handelns“ wird – freiwillig oder durch regulatorischen Druck – auf uns zukommen. Da wir für #Digitalisierung #Innovation verbunden mit #Nachhaltigkeit und sinnvoller Zukunftsfähigkeit stehen, ist es konsequent, dass wir auch im Rahmen der REAL PropTech diesem wichtigen Thema und seinen Auswirkungen besondere Aufmerksamkeit schenken.

Sozusagen als Kick-Off Einladung an die ganze Branche. 

Die Bedeutung für Unternehmensstrategien

Die EU beansprucht eine Führungsrolle bei der Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele. Im Rahmen dessen wurde die Europäische Kommission mit der Ausarbeitung einer Umsetzungsstrategie beauftragt, in der Zeitplan, Ziele und konkrete Maßnahmen zur durchgängigen Berücksichtigung der Agenda 2030 bzw. insbesondere der Nachhaltigkeitsziele in allen für die Politik zu regulierenden Bereichen festgelegt werden sollten. Hieraus entstanden Strategien wie der European Green Deal im Jahr 2019, um gegen Klimawandel und Umweltzerstörung als existentielle Bedrohung aktiv vorzugehen. Ziel ist eine neue Wachstumsstrategie für Europa um den Übergang zu einer modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft zu schaffen. Um Klimaneutralität in 2050 zu erreichen, werden alle Wirtschaftssektoren verpflichtend einen aktiven Beitrag leisten müssen. Hieraus entstehen folgende Richtlinien:

  • Investitionen in neue, umweltfreundliche Technologien
  • Unterstützung der Industrie bei Innovationen
  • Einführung umweltfreundlicherer, kostengünstigerer und gesünderer Formen des privaten und öffentlichen Verkehrs
  • Dekarbonisierung des Energiesektors
  • Erhöhung der Energieeffizienz von Gebäuden
  • Zusammenarbeit mit internationalen Partnern zur Verbesserung weltweiter Umweltnormen

In den wenigsten Bereichen unserer Branche sind bereits die Auswirkungen von schärferer Regulatorik, neuen gesetzlichen Vorgaben oder veränderten Anforderungen spürbar. Den meisten Unternehmen ist die Tragweite dessen, was unser vertrautes Business as usual tiefgreifend umpflügen wird, bisher nicht klar. Bei der praktischen Umsetzung der UN-Agenda 2030 stellen einige Ziele bereits eine große Herausforderung dar. Vermeintlich propagierte „Selbstverständlichkeiten“ wie Geschlechtergleichheit (Ziel 5: Diversity) zeigen als Beispiel beim Blick hinter die Kulissen vieler Unternehmen exemplarisch, das hier noch viel Luft nach oben ist. Dabei ist spätestens seit dem ZIA Innovationstag im November 2030 und der Ergebnisveröffentlichung der Diversity-Studie klar, wie viel Effizienz, Profit und Wert sich bei fehlender Ausgeglichenheit verloren geht. Während dieses Beispiels zeigt, dass offensichtlich Naheliegendes viel zu lange zur Umsetzung braucht, gilt dies für viele andere Branchenbereiche bei uns noch mehr. Idealerweise agieren wir als „immobile“ Branche ausnahmsweise mit etwas mehr Agilität und Power, mit guter Vorbereitung, statt erzwungen hektischer Reaktion.

Der Druck kommt von außen

Klassischerweise ist die Bau- und Immobilienwirtschaft resistenter gegen Veränderung, damit auch gegen Innovation als andere Branchen. Doch die UN-Nachhaltigkeitsziele betreffen uns in vielen Facetten. Der Druck wird kommen. Während das Buzzword BIM noch Anfang 2019 auf der Messe BAU zu hysterischer Angst bei Planern oder Abwehrreaktionen mit 25%igen Aufschlägen bei Bauunternehmen führte, ist dies seit Anfang 2020 im ersten Schritt bei öffentlichen Bauprojekten Pflicht. Dies ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, weil effizienter, fairer, bedauerlicherweise aber durch Regulatorik statt Innovationswillen ausgelöst. Während z.B. Messdienstleister im Rahmen der EU-Energie-Effizienzrichtlinie und der verpflichtenden Transparenzschaffung bis 2027 um ihr Geschäftsmodelle bangen, beginnt von Seiten des Kapitalmarktes der Druck in unsere Branche. Vom institutionellen Fonds bis zum Betreiber werden bspw. Reporting-Anforderungen schärfer, für deren Erfüllung es heute zum Teil noch gar keine (technischen) Möglichkeiten gibt. So steht heute mancherorts der Hausmeister mit Kladde und Papier neben der Müllwaage, um bei Abtransport das Gewicht aufzunehmen. Wenn zeitnah Anlageberater verpflichtet werden zu fragen, ob Anleger ihr Geld „grün“ investieren wollen, wird beim Knopfdruck erschreckenderweise ob Nicht-Erfüllung der Auflagen kaum ein Immobilienfonds übrig bleiben.

Natürlich ist es zu kurz gesprungen, Veränderung NUR auf die UN-Nachhaltigkeits-Agenda zu schieben. Wie in anderen Branchen vor unserer, beispielsweise der Finanzbranche, sind es Treiber von außen, die Urgesteine vom Thron stoßen. Kein anderer Treiber ist dabei so mächtig wie Geld. Der Druck vom Kapitalmarkt wird der sein, der am schärfsten Veränderungsdruck bringen wird. Gleiches gilt für das in unseren Markt schwemmende Wagniskapital. Dieses verändert Märkte, es verändert Marktstrukturen. Tiefgreifend. Und selten steht danach noch ein Stein auf dem anderen. Investoren stecken heute bereit Millionen in Startups mit Lösungen wie Vermarktungsplattformen, digitaler Bauplanung, Baustellenmanagement oder smarten und nachhaltigen Materialien. Während andere Branchen erheblich weiter in Ihrem Innovationszyklus sind, ist die Bau- und Immobilienwirtschaft erst spät von Investoren „entdeckt“ worden. Dies hat unter anderem mit langen Sales- und Entwicklungszyklen und einem viel stärker als in anderen Märkten etablierten People´s Business bzw. einer Absprache-Kultur zu tun. Doch das macht Prozesse und alte Geschäftsmodelle so anfällig: die bauende und gebaute Welt basiert auf einem milliardenschweren, hoch attraktiven und nachhaltig vorhandenen, benötigten Markt, ist gleichzeitig sehr fragmentiert, höchst ineffizient und löst ihre Probleme zu langsam. Im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen für Tech Companies und Spekulanten.

Dies ist der optimale Nährboden für Startups und die Entwicklung disruptiver Geschäftsmodelle. Und zieht deshalb eine immer weiter wachsende Schar an PropTech Investoren an, von denen es mittlerweile über 280 aktive im deutschsprachigen Raum gibt. Während die Ticketgrößen und Gelder steigen, die die jungen Wilden pushen, wächst der Druck auf etablierte Branchenplayer. Während in einigen Führungsetagen uns immer noch entgegenschallt, dass Digitalisierung „Prio 0“ hat, ist anderen längst klar geworden, dass die Welt nicht darauf warten wird, ob etablierte Unternehmens-Tanker den Turn Around bzw. die Straße Richtung Zukunftsfähigkeit rechtzeitig finden werden. Der Markt wird – durch Corona sicher getriggert – eine Konsolidierung erleben. Und diese wird nicht nur die über 700 PropTech Companies im deutschsprachigen Raum treffen, sondern auch vermeintliche Urgesteine der Branche.

Weil es explizit unsere Verantwortung ist

Zu den externen Einflüssen, die uns verändern werden, zählen die 17 Ziele der Nachhaltigkeitsagenda 2030. Einige der 17 Ziele betreffen originär die Bau- und Immobilienwirtschaft.

Ziel 3: Gesundheit und Wohlergehen:

Die gebaute Umwelt bildet für das menschliche Leben in fast allen Bereichen Rahmen und Grundlage. Wir Menschen verbringen 90% unserer Zeit in Immobilien. Einen Großteil davon Zuhause, den Wohnungen und Häusern, die wir als Branche planen, bauen, vermieten, betreiben, renovieren – und das alles hoffentlich verantwortungsbewusst an körperlichen wie seelischen Anforderungen für Gesundheit und Wohlergehen ausgerichtet. Der Umgang mit Trinkwasseranlagen und TGA-Planung sind dabei exemplarische Beispiele mit Potential. Eine besondere Verantwortung kommt der Wohnungswirtschaft zu. Doch auch unsere Arbeitswelten, ob Office, Supermarkt, Restaurant oder Fertigungshalle werden von uns gestaltet. Und der Rest der 90% – ob Shoppingcenter, Hotel oder Krankenhaus – liegt ebenfalls in der Verantwortung von unserer Branchen-Unternehmen mit Bezug zum Immobilienlebenszyklus. Die Bau- und Immobilienwirtschaft hat deshalb die Aufgabe funktionierende, sichere, ressourcenschonende, lebenswerte, komfortable Gebäude zu schaffen, die den Bedürfnissen der Bevölkerung nach Gesundheit und Wohlergehen entsprechen.

Ziel 7:Bezahlbare und saubere Energie: Die technischen Möglichkeiten sind heute bereits auf dem Stand, um in Neubau-Projektplanung wie in der Bestandsentwicklung moderne Energie-Konzepte zu integrieren. Ob Dachziegel zur Energiegewinnung oder Solarpaneele in den Verschattungslamellen, ob intelligente Materialien, die Wärme speichern und bei Bedarf abgeben können, Wärmepumpen oder Kleinwindanlagen – als Projektentwickler, Planer oder Bestandshalter gilt es Mut und Verantwortungsübernahme zu beweisen, heute bereits die Chancen zu ergreifen und Maßstäbe zu setzen, bevor diese von Politik und Behörden für uns gesetzt werden. Auch, wenn das bedeutet, Geschäftsmodelle neu auszurichten und Renditeerwirtschaftung neu zu denken. Mit Best Practice Beispielen lassen sich Referenzen schaffen, die Orientierung bieten können. Es sollte in unserem Interesse als Branche sein, den zukünftigen Rahmen selbst sinnvoll mitzugestalten – und proaktiv voranzuschreiten.

Ziel 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur: Ökologisch und ökonomisch sinnvolles Handeln werden in Zukunft in Einklang stehen müssen. Die Entscheidung nach Preis wird in sozialer Marktwirtschaft bleiben, wird aber zwischen den Anbietern entschieden, die die SDG-Kriterien erfüllen (müssen). Die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen wird entscheidender als je zuvor abhängig von ihrer Innovationsbereitschaft und -Power sein. Prozesse neu aufzusetzen, nicht nur von analog in digital sondern wahrlich optimiert, oder Daten aus Excel in schnittstellenfähige Systeme zu konvertieren und aktiv mit diesen zu arbeiten, bleibt nicht mehr lange Aufgabe von Alibi-CDOs ohne Budget oder Ressourcen, sondern wird zur Kernaufgabe der Unternehmenslenker. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern Mittel. Und zwar eines, bei dem die Gewinner 2030 morgen viel Aufwand investieren müssen, um den Rückstand – Stillstand – der letzten Jahrzehnte aufzuholen. Unternehmen mit multiplen internen und externen Innovationseinheiten wie Viessmann zeigen, wie es gehen kann. Doch Corona zeigt auch, wie wackelig diese DIU-Konzepte sind, wenn sie nicht als unabhängige Geschäftsmodelle aufgesetzt sind.

Ganz besondere Verantwortung können wir als Bau- und Immobilienwirtschaft übernehmen für Handelsimmobilien, Logistik, für Büroimmobilien und Industrieimmobilien, aber auch für Infrastruktur-Bauwerke, zu denen auch Brücken, Tunnel oder Versorgungsleitungen gehören. Unserer intelligent geplanten und sinnvoll umgesetzten Mitwirkung obliegt, wie zukünftig Waren nicht nur weite Strecken sondern auch über die Last Miles zugestellt werden können. Ob Hyperloops unterirdisch oder Drohnen überirdisch, Planung, Bau und Betrieb liegen in unseren Händen. Dies gilt auch für unsere Mobilität: ob E-Autos, noch mehr Fahrräder oder Flugtaxis, wir setzen den Rahmen für Park- oder Landeplätze oder Auflademöglichkeiten. Infrastrukturell sind wir verantwortlich für nachhaltige, sinnvolle TGA-Planung und Gebäudesteuerungsmöglichkeiten in den Immobilien. Genauso wie für die Planung, Installation und den Betrieb von Datenleitungen und Netzanbindung innerhalb von Gebäuden. Oder die flächendeckende Versorgung mit Glasfaserkabeln in Städten und Gemeinden – ein Thema, dass spätestens seit Corona mit Homeoffice & Homeschooling gesamtwirtschaftlich wie -gesellschaftlich ein brennenderes Zukunftsthema denn je darstellt.

Ziel 11 – Nachhaltige Städte und Gemeinden: Gut 75% der Deutschen leben in Städten oder Ballungsgebieten. Der Zuzug ist ungebrochen. Grundlage für zukünftiges, friedliches Zusammenleben ist das Vorhandensein von sicherem und bezahlbarem Wohnraum zur Befriedigung essentieller Bedürfnisse der Menschen. Doch zu  nachhaltiger und integrativer Stadtentwicklung gehört mehr als das „Dach über dem Kopf“, das wir als Branche bauen, vermieten und betreiben. Dazu gehört Urban Retail & Logistics von Last-Miles-Konzepten bis grundlegenden Infrastruktur-Überlegungen. Dazu gehören Konzepte, wie das Arbeiten von Morgen aussieht und was das für Büroflächen von heute heißt, sowohl in Qualität wie Quantität. In der Projektentwicklung von heute, den Bebauungsplänen für die gebaute Welt von Morgen, Quartiersplanungen und Städtebaukonzepten braucht es heute das richtige Setup für Morgen. Die Agenda 2030 setzt uns neue Maßstäbe vor, neue Regularien. Welcher Projektentwickler oder sonstige Rahmengeber dies heute nicht berücksichtigt, für den wird Vermarktung bei wachsenden Ansprüchen schwierig, Umsetzung ob Nachträgen und erzwungenen Änderungen teuer oder Refinanzierung unmöglich.

Was bleibt dann, wenn das Geschäftsmodell wegbricht? Bleibt rechtzeitig vorher Zeit, Konzepte komplett neu zu denken? Googles Innovationseinheit Alphabet hat es vorgemacht: zwei Jahre intensive Beschäftigung mit Konzepten zur Stadtteilentwicklung im kanadischen Toronto, inkl. Green Buildings, Circular Economy, beheizbaren Fahrradwegen, smarter Mobilität, intelligenter Betreibung und geschickten Mix-Used Konzepten. Auch wenn Side Walk Labs in 2020 offiziell eingestellt wurde, zeigt das veröffentlichte 1.200 Seiten Dokument mit Konzeptideen zur Projektentwicklung die Sprengkraft. Grundsätzlich war nicht wirklich etwas „neu“ daran. Beängstigend für jeden Bau- und Immobilien-Professional sollte allerdings sein, dass all die vorhandenen Ideen so konsequent zusammengetragen und in ein – funktionsfähiges – Gesamtkonzept gegossen wurden. Was ob Bedenkenträgern und klassischen Kostenkalkulationen alles nicht möglich erscheint, wird da konzeptionell bewiesen. Für alle diejenigen, die glauben mit Einstellung des Projekts Side Walk Labs sei Google endgültig aus unserer Branche „zurückgewichen“ irrt sich. Das, was an Knowhow, Expertise und Chancen angeeignet und evaluiert wurde, macht allein diesen Giganten der Big Four zur gefährlichen Konkurrenz. Von Amazons Vorstoß in die Produktion, Lieferung oder Ausstattung von Immobilien oder Ten Cents Projektentwicklung eines Campus von der Größe Manhattans ganz zu schweigen .Das Signal an unsere Branche – auch in Deutschland – sollte für uns deutlich sein.

Ziel: 12. Verantwortungsvoller Konsum & Produktion: Unsere Erde ist nur noch begrenzt belastbar. Um uns und unseren Kindern Leben in Zukunft zu ermöglichen, gilt es unseren Konsum und unsere Produktionstechniken zu verändern. Ein Baustein dazu sind Regeln für den Umgang mit begrenzten Ressourcen. Diese werden kommen. Und werden verhindern, dass wir als Industrie die weltweit schlimmsten Müll- und Umweltsünder bleiben werden. Ein Großteil der natürlichen Ressourcen ist nur begrenzt verfügbar. Das Ziel der nachhaltigen Produktion erfordert ein Umdenken unserer Wirtschaft hin zu einer Wirtschaft, die Ressourcen lediglich nutzt statt sie zu verbrauchen – von der Linearwirtschaft zur Kreislaufwirtschaft. Dazu zählt der Wandel zu einer auf nachwachsenden Rohstoffen beruhenden nachhaltigen Wirtschaft, die die Belastbarkeitsgrenzen der Erde achtet, weiter voran zu bringen. Wir in Deutschland und speziell unsere Branche spielen eine besonders wichtige Rolle auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen Produktion und einem ressourcenschonenden Konsum – aufgrund unseres hohen weltweiten Ressourcenverbrauchs und der damit einhergehenden Umweltbelastung. Doch auch aufgrund unsers ökonomischen und technologischen Potenzials.

Neben einem erheblichen Beitrag zu verantwortungsvoller Produktion können wir als Bau- und Immobilienwirtschaft erhebliches zu nachhaltigem Konsum beitragen. In vielfältiger Form: ob dies Planung und Bau von Logistik-Immobilien oder -Infrastruktur umfasst oder Handelsflächen, die Zugänglichmachung von Waren und Dienstleistungen oder viel allgemeiner nachhaltige, ressourcenschonende, weil smarte Betreibung oder Revitalisierung  von Immobilien – es liegt in unseren Händen. Freiwillig. Oder unter dem anhaltenden, steigenden Druck von Regulatorik.

Ziel 13: Die Klimaschutz-Chance der Immobilienwelt: Das Betreiben von Immobilien setzt den Grundstein für den Aufbau von weiteren Zukunftskonzepten innerhalb der Branche. Das effiziente und digitale Management von den Immobilien inkl. Instandhaltung, Renovierung und Sanierung sind Basis dafür, dass in anderen Bereichen innovativ und neu gedacht werden kann. Hierbei spielt die möglichst effiziente Ausgestaltung des Gebäudemanagements eine Rolle, die sowohl digital, als auch nachhaltig ist, und eine möglichst effiziente Umsetzung garantiert. Daten, Sensorik, Smart Building & Analytics sind in diesem Bereich von großer Bedeutung, um eine Bewirtschaftung von Gebäuden zu garantieren, die langfristig nachhaltig und insbesondere ökologisch wertvoll ist. Diese Digitalisierung und Innovation von bereits bestehenden Abläufen und Prozessen in Gebäuden erlaubt im Anschluss die Entstehung neuer Geschäftsmodelle, die basierend auf den bereits geschafften Fortschritten neue Möglichkeiten eröffnet. Gleichzeitig stellt sie die größte Klimaschutz-Chance dar, die unsere Branche und die Immobilienwelt bieten kann.

Die Verantwortung der Bau- und Immobilienwirtschaft

Während die ersten fünf Jahre seit Launch der UN-Nachhaltigkeits-Agenda als Vorbereitungs- und Ausdeutungsphase angesehen werden können,  in der vieles auf den Weg und vorbereitet wurde, liegt ein Jahrzehnt vor uns, in dem durch Greifen von bereits festgelegten neuen Regeln oder dem Festlegen weiterer Regulatorik das Erreichen der unumstößlichen Ziele massiv vorangetrieben werden wird. Die Bedeutung der 17 Ziele der UN-Nachhaltigkeitsagenda 2030 für unsere Branche sind gar nicht hoch genug einzuschätzen. Die angerissenen Beispiele und Verantwortungsbereiche sollten die Brisanz, Notwendigkeit und Sprengkraft gezeigt haben, die hinter Schlagworten wir ESG lauern. Gleich mit welcher Asset Klasse oder Lebenszyklusphase wir uns beschäftigen – ob mit Wohnen, Gewerbe, Handel, Logistik, Hotels, Industrieimmobilien, Mixes Use, ob mit Projektentwicklung, Planen, Bauen, Materialproduktion, Betreiben, Finanzieren, Vermarkten, Refurbisment oder Abriss wir haben die Power, die Macht und Kraft und die Verantwortung Change vorzunehmen, das Ruder rumzureißen, #Digitalisierung #Innovation #Nachhaltigkeit  zur obersten Priorität zu machen. Und das nicht nur ob guten Images sondern aus knallharter, wirtschaftlicher Notwendigkeit. Das der Weg dahin weg tun kann, dass altgeliebte Machtstrukturen und Silos aufgebrochen werden (müssen) und treue Geschäftsmodelle so in Zukunft nicht mehr funktionieren werden mag unvermeidbar sein. Darin liegen aber auch jede Menge Chancen. Die Frage ist als nicht, warum die Bau- und Immobilienwirtschaft 2030 anders sein wird. Viel mehr, wer sie gestalten und in 2030 zu den führenden Köpfen und Unternehmen zählen wird.

Autoren:

                 

Sarah Maria Schlesinger                          Sean Nolan

 

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