Warum wir (Prop)Tech europäisch denken müssen

By 29.03.2019 Juli 24th, 2020 Booster Inside

Die digitale Transformation ist keine nationale Erscheinung

 

 

Vor zwei Jahren war der Begriff „PropTech“ noch völlig unbekannt. Während die Digitalisierung in anderen Branchen bereits tiefgreifende Veränderungen und neue Player hervorbrachte, wies die Wertschöpfungskette entlang des Immobilienzyklus bis dato so gut wie keine digitale Transformation auf.

Seitdem hat sich viel getan.

 

PropTechs revolutionieren die Immobilienbranche

„PropTech Unternehmen lösen kundenorientiert und mit innovativen und skalierbaren Geschäftsmodellen Ineffizienzen in der Immobilienwirtschaft unter der Anwendung von Technologien.“

Innovation und Digitalisierung im Immobilienbereich treiben insbesondere PropTechs voran. Dies sind Startups mit transformierenden Ideen für Prozesse und Angebote im Immobilienlebenszyklus: ob für Liegenschaften, Projektentwicklung, Planung, Bau, Betreibung oder Vermarktung bis hin zum Abriss – ob für Wohn-, Büro- oder Handelsimmobilie oder gar Nutz- oder Infrastruktur-Bauwerk.

Spätestens jetzt ist jedem klar: Der Digitalisierungstrend ist „next level“! Er ist kein Trend mehr, sondern eine grundlegende Veränderung, die sich durch alle Branchen und Lebensbereiche hindurch zieht.

Etablierte Immobilienunternehmen können in verschiedenster Form Treiber der Digitalisierung sein. Insbesondere die Effizienzsteigerung für relevante Prozessteile in Form von einer langfristigen Kooperation mit PropTechs durch Förderung und Pilotprojekte sind attraktiv und vielversprechend. (Accelerator Programm Link)

 

Der Europäische Markt

Mittlerweile wirken derzeit circa 417 PropTechs in Deutschland aktiv an der Veränderung der Branche mit. Das ist gut. Insbesondere, da wir uns branchenbezogen im europäischen Kernmarkt befinden. Europa als größter Binnenmarkt der Welt bietet großes Potenzial, um Synergien zu erkennen und Kooperationen einzugehen. Denn ein großes Problem in Europa ist das Konkurrenzdenken der verschiedenen Companies mit gleichem oder ähnlichen Geschäftsmodell in anderen Ländern. Die europäische PropTech Szene beginnt jedoch die Grenzen aufzuheben. In Zusammenarbeit mit Robin Rivaton (Gründer von Real Estech France) veranstaltete blackprint letztes Jahr im Rahmen der MIPIM PropTech Summit das erste German-Franco PropTech Event. Welches dann im September auf Berliner Boden wiederholt wurde. Auch das Fazit der diesjährigen MIPIM zeigt, dass die Bereitschaft länderübergreifend zusammenzuarbeiten deutlich gewachsen ist. Zum einen, weil die nationalen PropTech-Branchen aktuell relativ fragmentiert sind und bei etablierten Unternehmen angesichts der zahlreichen Einzellösungen noch immer Unsicherheit herrscht. Durch eine europaweit engere Zusammenarbeit der PropTechs ließen sich geografische Insellösungen vermeiden und mehr Klarheit für potenzielle Kunden schaffen. Zum anderen stärkt die Zusammenarbeit den PropTech-Standort Europa insgesamt, der dadurch im globalen Wettbewerb umso attraktiver wird.

 

Kooperation von Exquance & KATE Innovations als Case Study

Das zeigen auch spannende Beispiele wie die Kooperation zwischen dem finnischen Finanzportfolio-Manager Exquance und IT solution Unternehmen Kate Innovations. Das Ziel des neuen Unternehmens KATE-XQ ist es „die ultimative next Generation“ Bewertungsplattform zu schaffen und somit die Stärken der beiden PropTechs zu verknüpfen. Beide Unternehmen profitieren neben der inhaltlichen Expertise auch von der Standort-Expansion, die damit einhergeht. Exquance besetzt nämlich neben ihren Heimatländern Finland und Russland, durch die Teilnahme bei blackprint ebenfalls in Deutschland. KATE Innovations sitzt in den Niederlanden, womit vier wirtschaftsstarke Länder abgedeckt sind. Die beiden PropTechs haben sich durch das Netzwerk Holland ConTech & PropTech kennen gelernt. CEO Wouter Truffino: „In der kommenden Zeit wird sich der PropTech-Markt konsolidieren. Es ist wunderbar zu sehen, dass durch unser Netzwerk Parteien mit der gleichen DNA zusammenarbeiten und ihre Ambitionen verfolgen können.“

Dieses Beispiel zeigt die Notwendigkeit über deutsche Ländergrenzen hinweg zu schauen. Insbesondere in den Benelux-Staaten, Skandinavien oder den nordost-europäischen Ländern, aber auch digitale Hotspots in Portugal oder Spanien finden sich disruptive PropTech-Ideen, die in ihren eigenen Märkten nicht (ausreichend) wachsen können. Genau das was der deutsche Immobilienmarkt bieten kann.

 

Über den großen Teich

Doch um die Qualität und Sprengkraft vieler Ideen wissend, haben insbesondere amerikanische Scouts begonnen, gezielt europäische PropTechs „über den Teich“ wegzuholen und diese auf dem eigenen Kontinent groß zu machen. Dabei haben insbesondere wir als europäischer Kernmarkt das Potential, diese Ideen für die Immobilienwirtschaft zu fördern und nutzbar zu machen. Andere Branchen haben es gezeigt: es sind nicht (nur) die bekannten Player, die im Zuge der Digitalisierung den Wettbewerb verschärfen. Es sind insbesondere innovative Unternehmen aus bisher völlig fernen Standorten, denen die Expansion gelingt. Oder auch vermeintlich völlig fernen Branchen, die disruptive Veränderungen bringen.

 

Die digitale Wende

Während 2007 Apple von den CEOs von Microsoft und Nokia noch als chancenlos und Nischenprodukt bezeichnet wurde, war es für Banken bis vor kurzem unglaublich, dass Amazon mehr ist als ein Marktplatz. Fassungslosigkeit machte sich bei den Mitbewerbern aus der klassischen Immobilienbranche breit, als sie im kanadischen Toronto die Ausschreibung eines neuen Stadtteilviertels gegen eine Google Tochter verloren (LINK zu SIDEWALKLABS). Und während ein international tätiger, deutscher Wandverkleidungsmaterialproduzent gerade noch auf seiner Hauptversammlung davon berichtet, dass trotz Expansion der Gewinn stagniert und der Umsatz klein einstellig gewachsen sei, während gleichzeitig propagiert wurde, dass es das Unternehmen „in 100 Jahren“ noch geben wird, sind 3D-Druckeranbieter auf dem Vormarsch. Während Bau- und Produktionskosten immer weiter steigen und neue Projekte preislich und zeitlich unkalkulierbar machen, hält offsite-Produktion, modulare Bauweise oder gar die komplette Produktion eines Hauses in wenigen Stunden aus dem 3D-Drucker Einzug in die Realität. Nicht im fernen Asien, sondern direkt in Frankreich um die Ecke. Und während Kosteneffizienz, Einsparung beim Baumüll und die zeitliche Komponente ohnehin schon die Produktion der letzten 50 Jahre mehr als in Frage stellt, sind diese Immobilien auch noch in der Lage witterungstechnischen Bedingungen wie auf dem Mars standzuhalten. Erstaunlich, wer in Anbetracht dieser positiven Disruption sein Geschäftsmodell weiterhin unverändert darauf baut, dass weiter Jahrzehnte in Handarbeit auf Baustellen Platten an Profile gedübelt, verspachtelt, getrocknet, verspachtelt, getrocknet und nochmal verspachtelt wird, bevor die nächsten manuellen Arbeiten die Veredelung vornehmen.

 

 

Über den Tellerrand hinaus

Amazons Strategie ist nicht abwarten, bis seine Smart-Home-Produkte vielleicht den Weg zum Kunden finden. Naheliegend, die Bauproduktion aufzuwirbeln und direkt den Fuß in die Tür zu bekommen. Egal, was das für etablierte Unternehmen bedeutet.

Die Benchmarks und Erkenntnisse aus anderen Branchen liegen vor. Die Immobilienbranche kann daraus lernen und sich selbst und Ihre Unternehmen für die Zukunft wappnen. Dies hat viel mit Veränderungsbereitschaft und Visionskraft zu tun. Dies hat insbesondere etwas mit dem Aufbrechen von althergebrachten Gedankenmustern zu tun. Mit über den Tellerrand schauen. Insbesondere den nationalen.

Aus europäischer Sicht gilt es, die Potentiale auf dem eigenen Kontinent zu identifizieren, gezielt zu fördern, den PropTechs die relevanten Marktzugänge zu besorgen, die sie brauchen, um effizient, schnell und nachhaltig zu wachsen.

Es kann nicht sein, dass wir als Wirtschaftsstandort Europa uns weiter schwächen durch weiteres gegeneinander. Und erst recht nicht, dass uns unsere eigenen digitalen Geschäftsmodelle demnächst aus Amerika für teuer Geld zum Einkauf angeboten werden.

 

Mittendrin statt nur dabei!

Als europäischer Digitalisierungs-Hub für die Immobilienwirtschaft mit Fokusmarkt Deutschland liefern wir unseren Teil dazu bei. Mit unserem Netzwerk eröffnen wir den deutschen Markt für europäische Geschäftsmodelle & PropTech-Expansionen, verknüpfen uns gezielt mit PropTech-Hubs und Influencern quer durch Europa und sorgen so gemeinsam dafür, dass die digitale Transformation über den Immobilienlebenszyklus hinweg aktiv gestaltet wir & Europa als Standort wirtschaftlich Stärke gewinnt. Wir rufen alle Beteiligten dazu auf – etablierte Unternehmen, PropTechs, Investoren – die Grundgedanken von Digitalisierung: Freiheit, Transparenz, Dynamik und Grenzenlosigkeit zum europäischen PropTech-Einigungsgedanken zu machen.

 

blackprint Booster sind Experten für die Digitalisierung im Immobilienbereich. Für alle Asset Klassen. Für den gesamten Immobilienlebenszyklus. Die Autoren haben beide langjährigen Bezug bzw. Erfahrungen mit dem Shoppingcenter-Bereich.

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Alexander Ubach-Utermöhl                      Sarah Maria Schlesinger

Managing Director                                      Managing Director

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